Yvonne Mich hat auf ihrem Blog einen Text veröffentlicht, in dem sie ihre Erinnerungen an ihre Oma dem Heute gegenüberstellt. Es ist ein Text, der für mich eine tiefe Zufriedenheit darüber zum Ausdruck bringt, daß trotz aller Veränderung durch das Alter und das Fortschreiten der Zeit, manche Dinge bleiben.
Wie die Schokolade, bei Oma im Schrank….

Mich hat er angeregt, meine Erinnerungen an meine Großmutter zu Papier zu bringen.

Das schlimmste ist der Geruch,
Der allgegenwärtige Geruch nach Desinfektionsmitteln, Raumspray und miesem Kaffee,
der  Geruch von Desinteresse, Hektik und Tod.

Als meine Mutter die Zimmertüre öffnet, verstecke ich mich hinter ihr und komme mir dabei dumm vor.

Staub tanzt im streifigen Licht, daß durch die Jalousien auf einen reglosen Körper fällt.

Schläuche und Kabel führen von Maschinen zu dem Fleisch und von ihm weg zu Beuteln und Flaschen.

Ich bilde mir ein, daß es nach Kot und Urin riecht, als mein Blick auf die entsprechenden Behälter fällt.

Meine Mutter weint, als sie den Körper ihrer Mutter berührt.

“Mama? Mama, ich bin’s…”

Nur das Fleisch der Wangen wabbelt puddingartig herum.
Es ist still im Raum, bis auf das Schluchzen meiner Mutter und das leise Klicken der Apparate.

Eine Schwester kommt herein, wendet den Leib wie eine Schweinehälfte, macht irgendwas an den Schläuchen und zupft an der Decke herum.

Wir nutzen die Gelegenheit, um zu gehen. Ich komme niemehr zurück.

Ihr Grab habe ich nie gesehen.

Tja, also… äh… ich gebe es ja ungern zu, aber auch mich alten Web2.0-Verweigerer, der bisher ohne Facebook gelebt und sein erstes Blog schnell wieder eingestampft hat, hat der Twittervirus erwischt.
Twitter hat etwas von Weltenrettungsdebatten nach zuviel Bier in der Stammkneipe, vermischt mit dem ruhigen Gespräch unter Freunden bei einer guten Flasche Wein.
Das meiste „Gezwitscher“ ist halt genau das, belangloses Gelaber, Statusmeldungen von Leuten, die man eigentlich nicht kennt, Frotzelei und Witzchen.

Aber es gibt auch eine andere Seite und diese besteht darin, dass man vielleicht soweit Kontakt zu „Fremden“ aufbaut, dass es auch zu einem Treffen im richtigen Leben kommt.
Mit ein paar wenigen Leuten aus meiner „Timeline“ ist es tatsächlich soweit gekommen.
Eine mutige, junge Dame aus Aachen, eine Bücherschubserin (Antiquarin), die in der virtuellen Twitterwelt als MissMarple76 auftritt, lud zum Essen in ihr Heim.
So trafen sich an einem schönen Samstagabend 8 neugierige Menschen in Aachen, um gemeinsam um einen großen Tisch zu sitzen, zu essen, zu trinken und geistvolle Gespräche zu führen.
Die Teilnehmer der illustren Runde waren: MissMarple76 – die Hausherrin und Lieferantin eines hervorragenden Essens, die Queenofwhatever, die glasperle, derZeitreiser, die Herren VolkerGoebbels und AndiH und meine Wenigkeit, der Eifelpfeil nebst seiner Lady.
Das Schöne bei solchen Treffen mit Leuten, die man nur aus der virtuellen Welt des Internets kennt, bzw. zu kennen glaubt ist für mich der Abgleich mit der Wirklichkeit.
Da schnitten das Internet und meine Vorstellungen schon bei MissMarples Behausung schlecht ab.
Entgegen der Darstellung von Google Maps wohnt sie nämlich nicht unter einer
Eisenbahnbrücke, sondern in einem schönen, renovierten, klassizistischen Haus in der Aachener „Altstadt“. Die Räume der Wohnung waren tatsächlich höher als breit und gaben dem Ambiente etwas kathedralenmäßiges. Entgegen meiner Vorstellung waren die Wände
nicht mit Bücherregalen voller wertvoller Erstdrucke vollgestellt, sondern einfach weiß getüncht und ansonsten weitgehend frei.

Schon während des Aperitifs, von erschreckend grüner Farbe, aber doch wohlschmeckend, kam erstaunlich schnell ein ungezwungenes Gespräch zustande, dass sich während des Essens fortsetzte.
Das Dreigangmenü war hervorragend und traf zumindest genau meinen Geschmack; ein „herbstliches“ Menü mit Feldsalat als Vorspeise, Hühnerbrust mit Kürbisgemüse und
selbstgemachten Gnocchi (Big Respekt) und zum Abschluss Pfannkuchen mit Cremefüllung.
Für meine Lady und mich endete so gegen 23.00 ein rundum gelungener Abend.
Mir hat dieses Ereignis wieder einmal gezeigt, dass es sich lohnt, überall dem Vernetzungs- und Web2.0-Gerede das richtige Leben nicht zu vergessen.
Wirklich kennen lernen kann man all die „Freunde“ aus dem Internet nämlich nur da, so altmodisch das klingt.
Mich hat der Mut, anders kann ich es nennen, unserer Gastgeberin, sich wildfremde Leute in die Wohnung einzuladen, sehr beeindruckt.
Die Aktion hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das zeigt sich schon daran, dass sie in 2010 ihre Fortsetzung bei der Queenofwhatever finden wird.

Noch ein paar Sätze zur Erklärung.
1. bei der kryptischen Zeichenfolge in der Überschrift (#ibkmf01) handelt es sich um
eine Abkürzung und einen sogenannten Hashtag. Er bedeutet: „Ich bekoche meine Follower“ und dient dazu, die diesbezüglichen Posts in der Twittertimeline schneller zu finden.
2. Auch wenn es sich von selbst verstehen sollte, nenne ich hier natürlich keine Klarnamen oder Adressen. Wenn sich jemand für die Teilnehmer interessiert möge er sich bei Twitter anmelden und nach ihnen suchen.

So long

Damion

Ein paar Gedanken zum Ehrenamt

Heute morgen fand ich in meiner Twitter-Timeline den Link zu einem Interview, daß Nicole Rensmann mit der freischaffenden Lektorin Daniela Dreuth geführt hat. Darin nahm das Thema “Ehrenamtliche Tätigkeiten” einen breiten Raum ein.
Mich berührt dieses Thema immer mal wieder, wenn Leute um meine Mitarbeit oder Unterstützung bei irgendwelchen sozialen Projekten oder Arbeiten und Aktionen “für die Allgemeinheit” bitten. Meistens (eigentlich immer) lehne ich solche Anfragen ab. Das stößt dann immer auf Unverständnis, weil man doch eine gute Sache unterstützen muß. Ich frage dann meistens: “Gut für wen?”
Ihr merkt schon, daß das Thema für mich so einige Reibungsfläche bietet. Ich kenne eine ganze Menge Leute, die sich ehrenamtlich in den verschiedensten Projekten und Organisationen betätigen, ob es nun der Sportverein oder die Kirche ist. Viele davon leisten eine ganze Menge, investieren viel Zeit, Energie und nicht zuletzt oft eine Menge Geld in diese Tätigkeiten, aber sie tun es letztlich für sich selbst. Keiner dieser Leute, das ist meine feste Überzeugung, würde sich in der Form engagieren, wenn es ihm keine Freude bereiten würde. Insofern unterscheidet sich ihre Tätigkeit nicht von meinem Bogenschießen oder beliebigen anderen Hobbies. Sie dient dem eigenen “Lustgewinn”.
Eine weitere Sache, die mich häufig stört, kommt auch in dem Interview zur Sprache. Wenn die Ehrenamtler, die eine Sache aufgezogen haben, aus irgendwelchen Gründen aufhören, stirbt auch das Projekt – egal wie toll oder wichtig es vorher angeblich war.
Bei Daniela Dreuth ist es die Krabbelgruppe, die eingeht als sie und ihre Freundin nicht mehr zur Verfügung stehen. Bei meiner Schwägerin war es der “Wandertag” mit den Eltern, der ja so wichtig für den Zusammenhalt und die Integration neuer Schüler in die Klasse war.
Als sie aufhörte ihn zu organisieren fand sich, oh Wunder, niemand der diese wichtige Veranstaltung am Leben erhalten wollte. Damit nicht genug, wurde sie auch angefeindet, weil sie “keine Verantwortung übernehmen wolle” oder “die Gemeinschaft hängen läßt”.
Niemand kam auf die Idee, selber was zu unternehmen. Das wäre ja auch mit Arbeit verbunden gewesen.
Ähnlich ging es meiner Schwester. Sie wurde, 2 Jahre nachdem ihr jüngstes Kind die Grundschule verlassen hatte, aus heiterem Himmel aufgefordert, sich doch an ehrenamtlichen Renovierungsarbeiten in dieser Schule zu beteiligen.
Ihre Ablehnung, verbunden mit dem Hinweis, daß es doch sicher 150 Elternpaare gebe, deren Kinder aktuell dort zur Schule gingen und man die doch zur Mitarbeit in der Schule ihrer Kinder heranziehen sollte, wurde mit dem wütenden Vorwurf mangelnden sozialen Engagements und asozialen Verhaltens beantwortet.
Diese Beispiele aus meinem persönlichen Umfeld zeigen ein, wie ich finde, grundsätzliches Problem des Ehrenamtes und des Ehrenamtlers in unserer Gesellschaft.
Er gerät immer stärker in die Position des “nützlichen Idioten”.
Diese, immer stärker um sich greifende, Form von institutionaliertem Erzeugen von Schuldgefühlen, widert mich an. Sie verleidet mir weitestgehend das Engagement für irgendwelche “Hilfsprojekte”. Unser Staat zieht sich immer stärker aus, wie ich finde grundsätzlichen, “Geschäftsfeldern” zurück und fordert dann dreist bürgerschaftliches Engagement. Wo bleibt denn die ganze Kohle, die jeder von uns abdrückt? Warum ist kein Geld für Bildung, Betreuung und Kultur da? Weil irgendwelche Prestigeprojekte gefördert werden müssen, die “dem internationalen Ansehen Deutschlands in der Staatengemeinschaft Auftrieb geben”. Bloß haben wir nichts davon!

Ich habe das sehr schön in der eigenen Familie illustriert bekommen. Mein Schwiegervater rückte eines Tages damit heraus, daß sein Fußballverein, in dem er seit 30 und ein paar gequetschten Jahren sich in der Jugendarbeit engagiert, ihn für irgendein Bundesirgendwaskreuz vorgeschlagen hatte und das demnächst die Verleihung sein sollte zu der wir ihn doch bitteschön begleiten sollten.
Meine Frau und ich haben das abgelehnt, mit der Begründung, daß eine solche Auszeichnung bloß ein Feigenblatt ist, um zu kaschieren, daß die Ehrenamtler ausgenutzt werden und sich “Vater Staat” immer weiter aus der Vereinsförderung zurückzieht.
Schwiegervater war zutiefst beleidigt, bis er 3 Wochen später erfuhr, daß die Jugendförderung im kommenden Jahr mindestens 30% niedriger ausfallen würde.
Er hat die Auszeichnung soweit ich weiß bis jetzt nie getragen….

In diesem Klima blüht natürlich auch der, vorsichtig ausgedrückt, Mißbrauch.
Ich bekomme fast täglich Emails, in denen ich gefragt werde, ob ich nicht irgendein Kinder- oder Jugendhilfeprojekt oder einen anderen Weltrettungsverein unterstützen will. Damit meine ich jetzt nicht den üblichen Bettelspam, sondern konkrete Anfragen noach Materialspenden für Bogensportevents oder Bitten um kostenlose Kurse im Bogenschießen oder Bogenbauen. Wenn ich dann mal nachgeforscht habe, stellt sich bei den meisten der “beworbenen” Veranstaltungen heraus, daß ganz normale kommerzielle Events sind. Allerdings werden angeblich die gesamten “nicht zur Deckung der Kosten notwendigen” Einnahmen der XY-Organisation gespendet.
Ja, Ja….

Die Liste der Lamentos läßt sich nahtlos in Richtung Bildungs- repektive Schulpolitik fortsetzen. Auch da wird einerseits viel Geld investiert – in Gebäude, denn die kann man schließlich vorzeigen. Der tägliche Betrieb lastet aber auch immer mehr auf ehrenamtlichen Schultern. Sei es in der Betreuung, wenn zwar Räume für eine Offene Ganztagsschule geschaffen werden, aber dann kein Geld für das entsprechende Personal mehr da ist. Was nützt das Mittagessen in der Schule, wenn sich 25% der Familien es nicht leisten können?
Aber es gibt ja die Tafeln. Problem gelöst!

Trotz all dieser negativen Erfahrungen und Beispiele habe ich mich nicht ganz aus der Unterstützung “sozialer” Projekte zurückgezogen. Aber ich helfe nur noch Leuten, die ich kenne.
Ich spende nicht für Behinderte in Rumänien, sondern schenke einem Kumpel ein paar Bögen und Pfeile, damit er den Behinderten auf der seiner nächsten Freizeitfahrt mal was Neues bieten kann.

In diesem Sinne

Bis demnächst!

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