Yvonne Mich hat auf ihrem Blog einen Text veröffentlicht, in dem sie ihre Erinnerungen an ihre Oma dem Heute gegenüberstellt. Es ist ein Text, der für mich eine tiefe Zufriedenheit darüber zum Ausdruck bringt, daß trotz aller Veränderung durch das Alter und das Fortschreiten der Zeit, manche Dinge bleiben.
Wie die Schokolade, bei Oma im Schrank….
Mich hat er angeregt, meine Erinnerungen an meine Großmutter zu Papier zu bringen.
Das schlimmste ist der Geruch,
Der allgegenwärtige Geruch nach Desinfektionsmitteln, Raumspray und miesem Kaffee,
der Geruch von Desinteresse, Hektik und Tod.
Als meine Mutter die Zimmertüre öffnet, verstecke ich mich hinter ihr und komme mir dabei dumm vor.
Staub tanzt im streifigen Licht, daß durch die Jalousien auf einen reglosen Körper fällt.
Schläuche und Kabel führen von Maschinen zu dem Fleisch und von ihm weg zu Beuteln und Flaschen.
Ich bilde mir ein, daß es nach Kot und Urin riecht, als mein Blick auf die entsprechenden Behälter fällt.
Meine Mutter weint, als sie den Körper ihrer Mutter berührt.
“Mama? Mama, ich bin’s…”
Nur das Fleisch der Wangen wabbelt puddingartig herum.
Es ist still im Raum, bis auf das Schluchzen meiner Mutter und das leise Klicken der Apparate.
Eine Schwester kommt herein, wendet den Leib wie eine Schweinehälfte, macht irgendwas an den Schläuchen und zupft an der Decke herum.
Wir nutzen die Gelegenheit, um zu gehen. Ich komme niemehr zurück.
Ihr Grab habe ich nie gesehen.
Die Beschreibung Deiner Wahrnehmung ist bedrückend. Sehr sogar.
Du gibst Dein Empfinden von damals in den Worten des erwachsenen Manns von heute wider.
Dabei kann ich es gut nachvollziehen – beschreibt es doch annähernd, wenn auch grenzwertig, meine Empfindungen für meine Uroma, die ich nicht anders als als bettlägerigen alten Menschen in Erinnerung habe, an deren Bett wir ein paar Tage den Rosenkranz beteten bis sie irgendwann tot war.
Manchmal kommt man zu spät in das Leben eines Menschen, um Vertrautheit zu empfinden.
Als sich die beschriebene Szene abspielte war ich etwa 20 Jahre alt.
Das hat sie aber nicht weniger bedrückend gemacht.