Brauch ich das? Wider ein Leben im Livetickermodus

Normalerweise bin ich ein einfacher und treuer Kunde. Ich suche in Ruhe nach dem Produkt oder Dienst, der meine Bedürfnisse zu einem für mich akzeptablen Preis bedient und wenn ich das gefunden habe, bleibe ich dabei. Falls man mich nicht ärgert….
Ich bin kein Schnäppchenjäger und meistens einfach zu faul, alle paar Monate zu gucken, ob ich irgendwo günstiger wegkomme.

So war das auch mit meinen Handys und Mobilfunkverträgen.
Ich war lange zufriedener O2-Kunde, bis sie mich mal mit echt miesem Service geärgert haben. Ich habe gekündigt und bin zu E-Plus gewechselt. Im letzten Jahr hat sich E-Plus dann mit O2 zusammen getan und weil ich nicht wieder Kunde bei dem Verein sein wollte, habe ich meinen Vertrag gekündigt und mich auf die Suche nach etwas Neuem gemacht.

Nun scheint es so zu sein, daß Lady Luck sich immer gerade dann die Nase pudern geht, wenn ich den Mobilfunkprovider wechseln will. Ich bin von der Telekom zu O2 zu E-Plus migriert und habe es nie geschafft meine Rufnummer mit zu nehmen. Immer gab es angeblich technische Probleme, die das verhinderten.
Als ich jetzt endlich einen Anbieter gefunden hatte, dessen Angebot mir zusagte, war ich daher mittelschwer schockiert, als ich schon wenige Stunden nach dem online erfolgten Vertragsabschluß eine Bestätigungsmail und kurz darauf die Begrüßungsmail bekam.
Ich hätte mich wohl nicht so lautstark und ausgiebig freuen dürfen…..

Ein paar Tage später kam eine Mail, daß man aufgrund technischer Probleme den Vertragsabschluß leider stornieren müsse.
Vielen Dank für ihr Interesse….

Das war der Zeitpunkt, an dem ich, nach einigen lästerlichen Flüchen und drei Flaschen Bier, angefangen habe zu überlegen.
Was brauche ich eigentlich tatsächlich?
Brauche ich überhaupt ein Handy?
Ist es vielleicht einfach nur eine Angewohnheit, weil jeder heutzutage ein Handy hat und „Alles“ über diesen Brüllknochen abgewickelt wird?

Ziemlich schnell wurde mir klar, daß die Antwort auf die letzte Frage eindeutig „Ja“ lautete.
Bei Licht besehen verbringe ich den allergrößten Teil meiner Zeit daheim, seit der Wiederentdeckung des zweiten Mobilteils sogar in bequemer Reichweite des Festnetztelefons.
Sollte ich tatsächlich mal unterwegs sein, so sind das in den meisten Fällen Anlässe, auf die ich mich freue, an denen ich aktiv teilnehme und die ich nicht am Handy verbringen will.
Auf Geburtagsfeiern, Grillparties, Bogensportevents oder Mittelaltermärkten habe ich Anderes zu tun als zu telefonieren oder Statusupdates in sozialen Netzwerken zu checken.
Auch mit Photos, die ich eventuell mache, befasse ich mich lieber zuhause in Ruhe und entscheide ganz entspannt, was ich in irgendwelche Netzwerke hochlade oder auf meinen Seiten publiziere. Damit hätten wir dann auch die Hauptfunktion erwähnt, die mein Smartphone heute für mich hat.
Es ist meine Schnappschußkamera. Punkt. Aus.

Zusammengenommen bedeutet das, ich werde keinen neuen Vertrag irgendwo abschließen, sondern mir demnächst mal eine einfache Prepaidkarte zum telefonieren besorgen. Datenvolumen kaufe ich dann von Fall zu Fall dazu – falls ich es brauchen sollte.

Denn das ist der letzte Punkt auf meiner Liste.
So ein Handyvertrag ist für mich ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.
Das Festnetztelefon ist dagegen immer „Bestandteil“ meines Vertrages mit einem ISP und auf Internetverbindung zuhause will ich nun nicht verzichten.

Zum Abschluß noch ein paar Worte zu „Aber wenn mal was ist? Dann bist du nicht zu erreichen.“
Dafür ist die Prepaidkarte ja da und deshalb schaffe ich das Handy nicht ganz ab. Aber mal im Ernst, in den meisten Fällen kann ich doch sowieso nix tun. Wenn die Hütte brennt, ist es eigentlich „egal“, ob ich das sofort oder am nächsten Tag erfahre. Ich kann zwar sofort nach Hause kommen, aber ich kann (immer noch) nicht teleportieren.
Das heißt, nur wenn ich gerade zufällig lediglich im Ort unterwegs bin, komme ich vielleicht noch rechtzeitig zum Löschen.
Wenn ICH aber mal nicht zuhause bin, dann bin ich meistens mindestens ’ne Stunde mit dem Auto entfernt.
Selbst wenn wir Alles fallen lassen und mit Bleifuss zurück heizen, finden wir dann nur noch rauchende Trümmer vor.

Ich will hier nicht predigen oder irgendjemanden bekehren. Alles Gesagte gilt nur für mich und meine spezielle Lebenssituation. Ich finde jedoch, man kann durchaus gelegentlich mal drüber nachdenken, wie viel von dem Streß, den uns ständige Erreichbarkeit, soziale Medien und moderne Kommunikationstechnologien angeblich machen, wir uns selber durch unreflektierten Herdentrieb antun.
Mein Leben ist jedenfalls kein Bundesligaspiel, über das ich zwanghaft im Minutenabstand in einem ständig flimmernden Liveticker berichten muss.

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Ein Kommentar zu Brauch ich das? Wider ein Leben im Livetickermodus

  1. Anja sagt:

    Gut geschrieben, ich bin völlig deiner Meinung! 🙂

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