„Landluft“ & „Feldwege“ – 2 Kolumnensammlungen von Wolf Uecker

Wolf Uecker war ein Hamburger Galerist und unter Anderem der Gründer des Kunstmagazins „art“.
Außerdem war er ein begeisterter, beinahe schon besessener Hobbykoch, der mehrere bekannte Kochbücher (Der große Uecker) geschrieben hat.
1981 zog er aus der Großstadt auf einen Bauernhof in der Lüneburger Heide.
Seine Erlebnisse mit dem Umzug, den Dorfbewohnern und dem Leben auf dem Land allgemein beschreibt er in den Kolumnen in diesen beiden Büchern.

Umzug aufs Land klang für meine Ohren erst mal sehr unspektakulär und ich habe mich gefragt, was der Mensch da zu schreiben hat.
Schließlich sind wir schon in den frühen Siebzigern aus Aachen in die Voreifel gezogen. No big deal…
Ueckers Umzug hat allerdings ganz andere Dimensionen. Er zieht von Hamburg in die Lüneburger Heide auf einen Resthof mit 30.000 Quadratmetern Umland in einem 65-Seelen-Dorf; aus einem Leben als Galerist, Verleger und Autor mit Theater und Vernissagen in eines als Selbstversorger mit 10.000qm Gemüsengarten, Karpfenteich und Heidschnuckenherde.

In „Landluft“ erzählt Wolf Uecker in 27 Kolumnen von der Ankunft im Dorf, ersten „Katastrophen“ und ersten Kontakten zu Nachbarn und den anderen Dorfbewohnen, so wie von der allmählichen Wandlung vom Städter auf Urlaub zum echten Landmenschen. Es werden Hühner angeschafft und ein Teich angelegt und bald ist das Interesse an Kräutern und Vögeln größer als an Konzerten und Kunst.
Immer wieder muss er lernen, daß die Natur sich nicht zwingen läßt und der Gärtner nur hoffen kann, sie zu überreden seinen Plänen zu folgen.

Im zweiten Band „Feldwege“, haben die Ueckers sich eingerichtet und sind in ihrem neuen Leben einigermaßen angekommen.
Jetzt geht es mehr um die Feinheiten des Lebens in einem kleinen Dorf.
Geburtstage, Hochzeiten, Feuerwehrfeste und so weiter wollen überstanden werden, ohne sich durch falsches Verhalten lächerlich zu machen. Der Umgang mit der örtlichen Parallelwährung will gelernt sein und er muss erkennen, daß auch ein Geländewagen Grenzen hat.
Die Probleme der Landwirtschaft (Hofsterben) und der Überalterung finden ihren Raum, wie auch die (erfolgreiche) Suche nach alternativen Einkommensquellen.

Wolf Uecker schreibt amüsant, mit Augenzwinkern und Blick für die Merkwürdigkeiten des Dorflebens und die Charaktere im Dorf.
Bei aller Freude am Landleben verschließt er den Blick aber nicht vor den Problemen des ländlichen Raumes.

Die Bücher sind meiner Kenntnis nach nur noch antiquarisch zu bekommen. Meine Ausgaben stammen von Hoffmann & Campe, sind Hardcover mit Schutzumschlag und jedes Kapitel wurde mit einer farbigen Zeichnung von Jiri Sliva illustriert.

Ich hatte meinen Spaß beim Lesen. Daher gibt es 9 von 10 Sternchen für die Büchlein.

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