„Mobilität der Zukunft“ – eine Fokusgruppendiskussion im Rahmen des Civitas-Projektes

Pünktlich um 16:00 startete gestern die Fokusgruppendiskussion zum Thema „Mobilität der Zukunft“ im Novotel in Aachen.
Wir waren in unserer Gruppe 10 Leute, die von 3 Mitarbeiterinnen des Beratungsunternehmens „Compass“ aus Köln betreut und durch die Fragestellungen geleitet wurden.
Soweit ich es mitbekommen habe, hatten alle Teilnehmer im Vorfeld der Diskussion an einer Onlineumfrage zum selben Thema teilgenommen.
Den größeren Rahmen für die Veranstaltung bildet das Projekt „CIVITAS“ , im Rahmen dessen die EU in 4 europäischen Städten – Aachen ist eine davon – modellhaft die Möglichkeiten umweltfreundlicher Mobilität erforscht.

Nach einer kurzen Begrüßung stellte die Moderatorin der Veranstaltung das Thema – Multimodale Mobilität – und die Randbedingungen der Fragestellung vor.
Multimodale Mobilität meint die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel (Bus, Bahn, Fahrad, Leihwagen, eigenes Auto, usw) zur Erreichung eines Zieles. Eine Einschränkung war, daß es nicht um Fernreisen gehen sollte, sondern um die Bewegung innerhalb der Städteregion.
Anschließend wurden per Brainstorming die Beweggründe für die Nutzung eines multimodalen Mobilitätsangebotes und die notwendigen Vorraussetzungen zur Nutzung abgefragt.
Einfacher ausgedrückt: Warum? und Wie muss es aussehen?

Hier zeigte sich erstmals ganz deutlich ein großes Problem der Veranstaltung.

Die Moderatoren steckten (natürlich) tief im Thema – im Gegensatz zu uns.
So gab es direkt Verständigungsprobleme und es fiel schwer sauber zwischen beiden Fragestellungen zu differenzieren. Mir sind einige Punkte erst nachher eingefallen; beispielsweise zum ‚Warum?‘ ganz einfach Notwendigkeit.
Ich habe keinen Führerschein.
Ein weitere Knackpunkt war meinem Empfinden nach die, durch die Fragestellung der CIVITAS-Studie vorgegebene, Beschränkung auf die Städteregion. Eigentlich hatten wir keinen Bedarf, großartig Verkehrsmittel oder Verkehrskonzepte zu kombinieren, so lange wir uns nur innerhalb der Städteregion Aachen bewegen. Allenfalls kam der Wunsch auf, für den Weg zu Bus oder Bahn einfach ein Rad leihen zu können und an der Endstation ebenfalls eines vorzufinden, mit dem dann der Restweg, zum Beispiel zur Arbeitsstelle, zurück gelegt werden kann.
Ansonsten nutzen die Anwesenden ein Verkehrsmittel, abhängig von Wetter, Länge der Strecke und Tagesform.
Ein weiteres „Problem“ waren die unterschiedlichen Erwartungen, die wir Teilnehmer und die Damen von „Compass“ mitgebracht hatten.
„Compass“ soll im Rahmen der Studie Daten liefern, an denen Konzepte auf Machbarkeit und Akzeptanz geprüft werden können.
Wir wollten unsere konkreten Wünsche zur Verbesserung der bestehenden Situation anbringen.

Besonders deutlich zeigte sich das Dilemma meines Erachtens bei der Diskussion der Tarifmodelle.
Immer wieder kamen wir auf ziemlich konkrete Preisvorstellungen zu sprechen. Die Moderatoren wollten die verschiedenen Tarife aber unabhängig von konkreten Preisen bewertet sehen. Eine Vorstellung, die ich nebenbei bemerkt, etwas weltfremd finde.

Neben den Fahrtkosten blieben auch noch andere Aspekte außen vor.
Von einem Teilnehmer wurde die Frage gestellt, wer den eigentlich Anbieter eines solchen Systems sein soll. Das hat nämlich höchstwahrscheinlich tiefgreifende Auswirkungen auf die konkrete Gestaltung.
Die Stadt Aachen hat Probleme mit der Luftreinhaltung. Wäre Sie also Anbieter, könnte sie sehr daran interessiert sein, Fahrgemeinschaften und Massentransportmittel (Bus und Bahn) zu fördern, um den Abgasausstoß zu minimieren.
Ein kommerzieller Anbieter hingegen verdient umso mehr, je mehr seiner Fahrzeuge unterwegs sind. Er wäre also interessiert, möglichst viele Einzelreisende zu haben.
Dieser interssante Aspekt fand leider genausowenig Platz in der Diskussion, wie die Frage nach dem Vertrauen, daß ich als Kunde dem Anbieter entgegen bringen muss und generell eine Diskussion über die Kosten für ein solchen System.
Letztendlich waren für mein Empfinden die angesetzten anderthalben Stunden deutlich zuwenig, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.
Das lag auch daran, daß in unserer Gruppe teilweise sehr unterschiedlich Standpunkte vorlagen.
Ich markiere als Mensch ohne Führerschein das eine Ende des Spektrums. Eine Dame schrieb beim Brainstorming zum Thema ‚Warum?‘, daß sie überhaupt keine Motivation habe, etwas Anderes als ihr Auto zu benutzen. Sie markiert das entgegengesetzte Spektrum in unserer Gruppe.
Das der Fahrpreis und Kosten generell keine Rolle in der Bewertung des Konzeptes spielen sollten, nährt in mir den Verdacht, daß am Ende ein Rundumsorglospaket empfohlen wird, daß aber nicht finanzierbar und auch nicht verkaufbar ist.

Insgesamt hat die Veranstaltung einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen.
Vor allem gegen Ende entstand bei mir der Eindruck, in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden.
Ich hatte das Gefühl, daß es schon ein Konzept gibt und unsere Antworten und Wünsche sozusagen als Munition für die Unterstützung dieses Wunschkonzeptes dienen sollten.
Auf der anderen Seite sagte eine Freundin später: „Dümmer wird man nicht, wenn man sich sowas mal anguckt.“

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2 Kommentare zu „Mobilität der Zukunft“ – eine Fokusgruppendiskussion im Rahmen des Civitas-Projektes

  1. facebook_markus.w.kreisel sagt:

    Stellt sich die Frage nach dem wahren Grund der Aktion. Bei z.B. Fahrgastbefragungen geht es oft nicht um die Wünsche der Kunden sondern um die Umverteilung der Einnahmen in Verkehrsverbünden. Da denkt man als Befragter „Toll, meine Meinung ist gefragt. Vielleicht verbessert sich sogar etwas“ um später enttäuscht zu werden.

    • admin sagt:

      Ja, nachdem noch etwas darauf herum gekaut hatte, bin ich auch zu dem Schluß gekommen, daß es nicht um die Bedürfnisse potentieller Nutzer ging.

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