Macht nur weiter so…

Am letzten Wochenende habe ich wieder einen Bogenbaukurs gegeben. Eine der Teilnehmerinnen hat bisher als Buchhändlerin bei einer großen Kette gearbeitet. Sie hat erzählt, daß sie ihren Job aufgegeben hat und ab Herbst ein Studium beginnen wird. Wesentlicher Grund für diese Entscheidung war für sie, daß es neue Vorschriften für das Personal gegeben hat, in denen festgelegt wird, wie viele Sekunden ein Kundenkontakt dauern darf. Das wird von der Filialleitung kontrolliert.

Liebe Buchhandelsketten,

habt ihr schon mal auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, welchen Grund ich haben sollte, überhaupt noch eine eurer Fillialen zu betreten?
Was könnte für mich das relevante Unterscheidungsmerkmal zu dem Internetgroßhändler mit dem Lachen auf den Kartons sein?
Warum sollte ich die Unbequemlichkeit auf mich nehmen, „in die große Stadt“ fahren zu müssen und mich mit anderen Leuten in euren Laden zu drängen?
Kleiner Tipp, es ist nicht der überteuerte Fruchtsaft in der Minibar und auch nicht der nutzlose Plastikramsch, den ihr „rund ums Buch“ verkaufen wollt.
Solltet ihr jetzt schon auf des Rätsels Lösung gekommen sein und trotzdem an der Idee zeitoptimierten Kundenkontakts festhalten wollen, dann tut mir doch den Gefallen und stellt euer verlogenes Gejammer über das tragische Sterben des stationären Handels ein.

Schaufelt ruhig weiter an eurem Grab, aber steht auch dazu.

Angepisste Grüße aus den westlichen Hochmooren der Republik

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2 Kommentare zu Macht nur weiter so…

  1. Marco sagt:

    Früher hat man einfach verkauft. So langsam kann ich das „Früher war alles besser“-Gejammer durchaus nachvollziehen.

  2. Dirk sagt:

    Dazu sage ich nur: Als ich 1985 anfing zu studieren, gab es viele meiner Mitabiturienten, die aus Mangel an Alternativen (oder NC) anfingen, BWL zu studieren. Die Hörsäle zu dieser Zeit waren überfüllt, wie ich hörte.
    Mein Kommentar damals: Das werden wir alle irgendwann bereuen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen 😉

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