Ein leicht verspätetter Bericht….*Tüdelü*

Ja richtig, irgendwie hatte ich mich mal wieder in eine selten dämliche Geschichte reingeritten. Ich würde die Organisation für ein “Winterlager” übernehmen, d.h. ich besorge einen Zeltplatz mit Minimalausstattung – Toiletten, Duschen – auf dem Ende Januar ein paar Verrückte ausprobieren können, wie wintertauglich ihre Mittelalteraustattung ist.

Mein einsames Zelt am Donnerstagabend

So trafen sich am letzten Januarwochenende 14 Leute auf dem Jugendzeltplatz “Tiefenbachtal” zwischen Simmerath und Huppenbroich, um, von ihren Freunden entweder milde belächelt oder für völlig bekloppt erklärt, das Abenteuer “Wintercamping im Mittelalter” anzugehen.
Der Zeltplatz ist zwar nur von einer dünnen Schneeschicht bedeckt, dafür aber betonhart gefroren; etwas worüber sich niemand von uns im Vorfeld Gedanken gemacht hatte. Der Aufbau meines Zeltes am Donnerstagabend war ein echter Kraftakt und bis zum Ende des Lagers blieb immer ein gewisse Unsicherheit übrig, ob die Häringe wirklich halten werden, wo sie doch nur ein paar Zentimeter tief im Boden steckten. Am Sonntag sollte sich allerdings zeigen, daß das “Ziehen” der Häringe eine wesentlich größere Herausforderung werden würde als das Einschlagen.
Nachdem das Zelt dann endlich aufgebaut ist, das Auto entladen, der ganze Kram verstaut und verräumt, verabschiedet sich mein Weib und ich bleibe alleine zurück. Ich schaue mich noch ein wenig um, lese ein bißchen und verkrieche mich dann mit einem großzügig bemessenen Becher Rotwein unter meine Felle. Zu meinem eigenen Erstaunen schlafe ich “wie ein Baby” bis weit in den Morgen hinein und schaffe es gerade so mein Frühstück zu beenden, bevor der Platzwart mit dem bestellten Feuerholz anrückt. Auch er sieht mich zweifelnd und ein wenig mitleidig an. Trotzdem hilft er mir die 3 Festmeter Buchen- und Eschenholz abzuladen und trocken aufzuschichten. Dann überprüften wir nochmals bei einem Rundgang, ob Alles so funktioniert, wie es soll und dann bleibt mir nur noch das Warten auf die anderen Wahnsinnigen.

Das Lager wächst

Die treffen dann auch so nach und nach ein, die Kronsbergerin samt Gefolge aus Hannover, Sir John Cheney von Shurland Hall (Köln) und meine Freunde vom Stapellager.
Der Aufbau der Zelte machte dann Allen klar, worauf sie sich eingelassen hatten und sorgte für einige höchst skeptische Gesichter. Die klärten sich allerdings wieder auf, beim Anblick einer großen Küche, eines beheizten Essraumes und von Duschen mit heißem Wasser. Wenn es zu hart werden würde, könnte man also jederzeit aussteigen.

"Sir" John Cheney

Die Kronsbergerin

Erste Gespräche

Solcherart beruhigt versammelten sich Alle um das inzwischen entzündete Lagerfeuer, um sich bei heißem Würzwein, Met und Schwarzbier und gegrilltem Geflügel mit einander bekannt zu machen und bis weit in die Nacht hinein zu schwatzen und zu trinken —— trotz Temperaturen von -12°C.

Lagerfeuerromantik

Das Frühstück am Samstagmorgen fand dann doch im großen geheizten Gemeinschaftsraum statt. Irgendwie waren wir nach einer relativ kurzen Nacht nicht so ganz bereit für Kälte, harte Butter und gefrorene Suppe…

Frühstück??

Aber nach Kaffee und Brot ging es dann wieder hinaus, zu Bogenschießen und Spaziergängen durch den winterlichen Eifelwald. Ein echtes Highlight war die Ankunft von Stefan und Sabine, die eine innovative Lösung präsentierten, wie man ein Landsknechtzelt mit einem Smart transportiert.

Logistische Meisterleistung

Außerdem rückten noch Kathi und Thilo aus Warendorf an. Auch sie hatten die weite Anreise nicht gescheut, nur um auszuprobieren, ob sie eine Nacht im Eifelwinter überstehen würden.
So verging auch der Samstag recht schnell mit Zeltaufbauen, Begrüßungen, Gesprächen, Bogenschießen und der Zubereitung von heißem Wein und Met.

Kathi

Thilo

Sonntag stand dann, ob der teilweise doch sehr weiten Fahrstrecken, ganz im Zeichen des Abbaus. Hier zeigte sich dann die ganze Tücke eines Winterlagers. Es ist zwar schwierig geschmiedete Zelthäringe IN den gefrorenen Boden hinein zu bekommen. Aber es ist noch viel schwieriger, sie nach einem einem Wochenende im Permafrostboden wieder AUS dem Boden zu bekommen. Letzendlich gelang es uns nur durch Unmengen kochenden Wassers, die im Staffelbetrieb ununterbrochen herangeschafft wurden.
Für mich war das Winterlager eine Erfahrung. Es war das erste Mal, daß ich eine solche Veranstaltung organisiert habe und ich bin heilfroh gewesen, daß ich nichts Wesentliches vergessen hatte. Ich bin auch stolz auf mich, die 3 Nächte durchgehalten zu haben. Das war allerdings wesentlich einfacher, als ich gedacht hatte. Meine Ausrüstung hat sich bewährt und ich hatte keinerlei Probleme. Einige meiner Gäste mussten hingegen nach einer Nacht die Segel streichen und in den Gemeinschaftsraum umziehen.

Ob ich ein solches Lager noch einmal mitmachen würde, weiß ich nicht genau. Die Gegeneinladung nach Hannover zu den Kronsbergern habe ich jedenfalls ausgeschlagen. Das liegt aber mehr in meiner derzeitigen “Mittelaltermüdigkeit” als in der Angst vor einem weiteren Lager im Winter begründet.

Noch mehr Bilder gibt es in der entsprechenden Galerie.

Am letzten Samstag im Februar hatte Katrin zur Geburtstagsfeier nach Bonn geladen. Zum wiederholten Male verband sie das mit einem Ausstellungs- oder Museumsbesuch für die, die sich entsprechend Interessierten.

Diesmal stand die Ausstellung “Byzanz – Pracht und Alltag” in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn auf dem Programm. Ziemlich pünktlich ging es unter Führung einer ausgesprochen gut aussehenden Kunsthistorikerin für unsere Gruppe los.

Der erste Raum, war ein Versuch, den Einduck eines byzantinischen Kirchenraumes für den Besuch empfindbar zu machen. In dem runden Raum hing ein großer, goldener,  “Kronleuchter” von der Decke, der für sicherlich ein Dutzend Öllampen gedacht war. In den purpurroten Wänden waren passend dazu verschiedene kostbare Sakralgegenstände in eingelassenen Vitrinen ausgestellt.

Jenseits des zahlreich vorhandenen Schmucks und der höchst eindrucksvollen, prächtigen Sakralgegenstände, wie dem Kreuzreliquiar, haben mich am meisten die Elfenbeinarbeiten und die ausgestellten Handschriften beeindruckt.  Ein rundherum mit Figuren des täglichen Lebens beschnitztes Kästchen, war so fein gearbeitet, daß man anhand der Darstellung sogar sehen konnte, wie sie damals ihre Schuhe geschnürt haben.Ein Modell des großen Hippodroms verdeutlicht eindrucksvoll die Ausmaße, die diese Anlage gehabt habt. Die schätzungsweise 150 Figuren auf der Anlage wirken ziemlich verloren…

Nach der gut einstündigen Führung haben wir die Ausstellung dann noch auf eigene Faust erkundet. Sie ist auf jedenfall empfehlenswert, auch wenn sie am 2. Tag in Details noch einen etwas unfertigen Eindruck machte. So fehlten die Nummern an den Ausstellungsobjekten, was die Zuordnung bei gleichartigen Objekten in der Vitrine schwierig machte. In einer Vitrine fehlte ein Objekt und laut unserer Führerrin war die Beschriftung bei zwei Medallien aus der Zeit Mehmets des Zweiten schlicht falsch. Trotzdem bleibt die Ausstellung für mich auf jeden Fall empfehlenswert.

Da wir schon mal da waren, haben meine Lady und ich die Gelegenheit genutzt und uns auch noch die benachbarte James Cook Ausstellung angesehen, die am Sonntag endete.

Diese Ausstellung hat ein spannendes Konzept, weil sie sich nicht an den Lebensdaten Cooks’ langhangelt, sondern die Stationen seiner Reisen als thematische Inseln darstellt. So kann der Besucher sozusagen, anhand auf dem Boden aufgemalter Reiserouten, Cooks’ Reisen nacherleben und sieht, was Kapitän Cook und seine Leute auf den angelaufenen Südseeinseln sahen und für mitnehmenswert hielten. Es gibt jede Menge Gebrauchsgegenstände und Waffen der Insulaner zu sehen, geschnitzte Keulen, Bögen, gigantische Angelhaken, Schüsseln und Schalen. Selbstverständlich fehlen auch die bekannten Federmäntel und -hauben nicht. Sie beeindrucken mit einer Farbenpracht, die vergessen läßt, wie alt die Stücke sind. Mindestens genauso beindruckend in ihrer Farbigkeit und Genauigkeit sind die ausgestellten wissenschaftlichen Aquarelle. Ich frage mich, ob die Einführung der Fotografie uns diese Fähigkeit zum genauen hinsehen und Darstellen des gesehen, das den damaligen Naturforscher auszeichnete, genommen hat.

In beiden Ausstellung wurde streng darauf geachtet, daß man sich an das Fotografierverbot hält. So bleiben dem Interessierten nur die Kataloge. Ich werde mir wahrscheinlich den Katalog der Byzanzausstellung anschaffen. Das ausliegende Ansichtsexemplar machte jedenfalls einen gutenEindruck.

In der gemütlichen Altbauwohnung des Geburtstagskindes ließen wir den Tag in passend dekadentem Ambiente bei gutem Essen und Trinken mit netten Leuten ausklingen.

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