Am letzten Samstag (26.06.2010) fand zum zweiten Mal das Birdyhill-Turnier auf dem Gelände des Bogensportclubs Grünberg statt.
Der Grinch war mit seiner Lady zum ersten Mal dabei. Das Turnier ist ein reines Einladungsturnier, veranstaltet von Andreas Stoeter vom Bogensport Grünberg e.V.

Hämisch grinsender Veranstalter bei der Auswertung

Das Turnier ist ein reines Holzbogenturnier mit jagdlich gestellten Zielen.

lebendiges "Monster" aus dem Grünberger Forst

Das heißt, keine großen Distanzen, aber schwierige Schußpositionen und kleine Schußfenster. Diesmal war es als Doppelhunterrunde mit 20 Stationen gestellt.

Beute

An jeder Station 2 Pflöcke, ein grüner und ein orangefarbener und von jedem Pflock aus musste ein Tier mit einem Pfeil erlegt werden. Die Wertung war huntertypisch knackig: Kill = 20Punkte, Körper = 5 Punkte, Fehlschuß = 0 Punkte.

Abendessen gesichert

Da machte sich jede Unsauberkeit und jede Nachlässigkeit direkt drastisch im Ergebnis bemerkbar. Das musste ich sehr zu meinem Leidwesen leider auch feststellen.

Meine Lady auf Sauhatz

Dazu kamen noch 2 “Sonderprüfungen”, ein Schnellschießen auf Zeit und, für die Meisten von uns das absolute Fiasko,  ein Präzisionsschießen auf 5 unterschiedlich große Schaumstoffklötze.

Des Bogenschützen Untergang...

Die Wertung für dieses Schießen hatte es in sich.Sollte man es schaffen mit 5 Pfeilen alle 5 Klötze zu treffen, das heißt, ein Pfeil pro Klotz, so hatte man 100% erreicht. jeder Pfeil, den man mehr brauchte, brachte 10% Abzug. Brauchte man tatsächlich 14 Pfeile war man damit dann trotzdem auf 0%. Traf man nicht alle Klötze gab es ebenfalls keine Punkte. *Schnüff*

Da alle 3 Turnierteile zu jeweils 1/3 in die Wertung eingingen, konnte einem ein Versagen bei den Sonderprüfungen ganz gehörig die Petersilie verhageln. Andererseits konnte man da auch einiges wieder gut machen, was man vielleicht auf dem Parcour versaut hatte. Mir ist das allerdings nicht gelungen…..

Gewertet wurden Männer, Frauen und Kinder getrennt und sonst nix. So liebe ich meine Turniere, kein Zirkus mit dutzenden Klassen und Gruppen, eine knackige Wertung, die Können belohnt und die Ziele so gestellt, daß das Können des Schützen entscheidet und nicht die Power des Bogens.

Nächste Generation

Dazu noch nette Leute, Einladungsturnier halt, eine schöne Umgebung bei tollem Wetter und einen Veranstalter der sich Mühe gibt und auch noch kochen kann. Das Ganze für ‘nen Zehner pro Person und eine Spende in die Getränkekasse.

Eines der umfangreichsten und besten Kuchenbuffetts der deutschen Bogenturnierszene

Die Thekenkraft wirkte ein wenig lustlos

Zuschauer oder Ziel?

Herz, was willst du mehr? Ok, vielleicht mal besser schießen….

Ein höchstzufriedener Michael bedankt sich, auch im Namen seiner Lady, für ein rundum gelungenes Wochenende.

Wie (fast) jedes Jahr sollte es auch in diesem Mai mal wieder Richtung Würzburg, genauer gesagt nach Neubrunn, zu einem der größten Treffen traditioneller Bogenschützen in Deutschland, gehen. In diesem Jahr fand erstmals eine “deutliche” Trennung zwischen Turnier und Treffen statt; das heißt, am ersten Wochenende Turnier und danach eine Woche lang Treffen nach Gusto. Da mein Weibchen keine Lust hatte, die ganze Zeit mit “den Verrückten” zu verbringen, fuhr ich diesmal mit Karl-Heinz von Köln aus mit.

Nach einigen höchst zweifelnden Blicken auf den Berg Gepäck, Bogenkram und Verpflegung, begannen wir am Freitagmorgen damit, alles im PickUp zu verstauen — natürlich bei strömendem Regen. Dann ging es ab auf die Bahn, Richtung Süden.

Das Wetter wurde während der Fahrt nicht wesentlich besser, aber immerhin hatten wir Glück und konnten unser Lager trocken aufbauen. Zelte, Pavillon, Tisch und Stühle stehen – erst mal ein Bier und dann ‘ne entspannte Platzrunde und schauen, wer von den Verrückten schon eingeflogen ist. Danach treffen sich Freunde und Bekannte an unserem Tisch zu Bier, Futter und Gequatsche.

Erster Abend im Lager

Nach einer viel zu kurzen Nacht startete dann am Samstagmorgen das Turnier. Gut über 220 Schützen verteilten sich in Gruppen von maximal 6 Leuten im Neubrunner Forst, um Gummitiere zu erlegen.

Vor dem "Morgengebet"

Diese waren, wie immer, “schön” gestellt; nicht zu weit, aber kniffelig. Man musste sich einige Male heftig verbiegen, um ein freies Schußfenster zu finden, oder, wenn man so fett und und unbeweglich wie ich ist, einfach Ullr vertrauen und “draufhalten”.

Einfach drauf....

Es war halt ein ganz typisches Neubrunn-Turnier. Gutes Wetter, ein tolles Gelände und jede Menge Schüße, bei denen man entweder dachte: “Oh Gott, das geht ja garnicht!” oder ” Häh?? Was für ein langweiliger Autobahnschuß!”. Egal, man wurde meistens eines Besseren belehrt…

Erwähnenswert erscheint mir lediglich noch meine Bekanntschaft mit Toms “Instantkill”. Der Säbelzahntiger stand im Wald zwischen jeder Menge jungen Bäumchen und ich hatte beim ersten Versuch meinen Pfeil auf der Schulter aufsetzen lassen und ihn so ewig weit in’s Unterholz befördert. Schuß No.2 landet fogerichtig mitten in einem Stämmchen, bevor ich das Viech endlich mit dem dritten Schuß erlegen konnte. Beim Pfeileziehen bot sich mir dann plötzlich folgendes Bild:

Instantkill a la Tom of Sevenhills

Dem brüllenden Gelächter meiner Mitschützen nach zu urteilen, muss ich sehr dämlich aus der Wäsche geschaut haben. Dafür hat Tom noch was gut bei mir…..

Der Tag endete nach Siegerehrung und Glückschießen gemütlich am Feuer bei Grillfleisch und Bier. Dabei zeigten sich die herausragenden Quartiermeisterqualitäten unseres Neuzugangs, Habi. Der war meiner Gruppe während der zweiten Turnierhälfte zugelaufen. Wir haben ihn zuerst mißtrauisch beäugt, aber Stefan (Janitschar) schien ihn zu kennen und im Laufe des Turniers entpuppte er sich als fröhlicher Geselle, der mit seinem Hillstyle-Prügel gut umgehen kann.

Seine wahren Qualitäten zeigten sich allerdings erst nach dem Turnier am Lagerfeuer. Egal was gebraucht wurde, von Gaffatape über Tarp oder einen zusätzlichen Grill, bis zu Bier, Gewürzen oder einem 30ltr-Kochtopf – Habi hatte es dabei. Ich habe ja schon bei verschiedenen Leuten vermutet, daß sie ihre Zelte unterkellert haben, aber bei bei ihm WEISS ich, daß er mindest drei Tiefgeschosse unter seiner Plastikhütte haben muss.

Habi am Feuer

Wie es sich für einen waschechten “Ossi” gehört, gab es natürlich auch Bratwürste und Roschtbrätler satt und das Szegediner Gulasch war vom Feinsten, trotz aller Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Zutaten. Ganz großes Kino, Habi. Nicht nur deshalb freue ich mich auf ein Wiedersehen….

Am Sonntag leerte sich der Platz, da all die abreisen mussten, die entweder keinen Urlaub bekommen hatten oder schulpflichtige Kinder hatten. So blieb es bis Donnerstag ruhig und gemütlich; man hatte Zeit und Muße ein paar Runden auf dem Parcour zu drehen oder einfach mal in Ruhe mit den Anderen zu schwatzen. Ab Mittwoch abend wurde es dann wieder voller, als die Wochenendschützen langsam wieder eintrudelten. Es waren wieder mehr Leute auf den Parcouren unterwegs, aber es fanden auch einige hübsche Aktionen statt. Bard hielt wieder seinen Klingenschärfkurs ab, Indiaman bot einen Kurs im Köcherbau und Comix veranstaltete unter großem Hallo den Odysseusschuß durch 12 hintereinander montierte Stahlringe hindurch auf einen Luftballon. Leider habe ich davon keine Bilder, aber bei Jürgen gibt es dafür ein paar ganz tolle zu sehen. Er hat auch einen schönen Artikel über das Turnier geschrieben.

Abends gab es dann an unserem Feuer, inzwischen als “Kölner Bucht” oder “Archers Paradise” bekannt, Mucke vom Allerfeinsten. 2 großartige Gitarristen, ein Profi an der Geige und dazu zwei höchst begabte Bluesharpspieler sorgten für den richtigen Sound.

Jochen, Entman, Sundance und Indiaman heizen ein

Guter Malt und TJs schier unerschöpfliche Vorräte an verschiedensten exclusiven Rumsorten sorgten für Stimmung bis in den frühen Morgen. Auf den Punkt brachte es TJ mit dem Satz: “Ich glaub ich heirate euch alle.”

Stimmung unter'm Tarp

So verging die Zeit trotz Regen und daraus resultierendem Schlamm recht schnell und auch wenn Einiges für immer unerklärbar bleiben wird, kam der Aufbruch viel zu früh.

Diese Konstruktion muss eine ganze Nacht gehalten haben. Erbauer unbekannt...

Für mich war das das schönste Neubrunn. Die Trennung von Turnier und Treffen hat sich in meinen Augen bewährt. Es blieb viel Zeit für das, was mir immer am Wichtigsten war – schwatzen und Kontakt halten mit Freunden und guten Bekannten, die ich nur dort sehe, weil sie einfach zu weit weg leben, bspw. auf den Phillipinen oder im äußersten Süden der Republik.

Wann war der Termin für 2011?

Tom mit unwiederruflich letzten Kaffee in Neubrunn

Achja, mehr Bilder gibt es in der Galerie

Am Sonntag den 18.04.2010 fand zum vierten Mal das Bergische Bogenturnier auf dem Gelände von Gut Schiff in Bergisch Gladbach – Herrenstrunden statt.
Diesmal hatten sogar die Wettergötter ein Einsehen und lieferten den ca. 140 Startern strahlenden und für die Jahreszeit im Bergischen völlig untypischen Sonnenschein und sommerliche Temperaturen.

Der Autor höchstselbst in untypischem Sonnenschein

Wie immer war das Turnier dreigeteilt. Cloutschießen, Robin Hood und 3D-Schießen auf einige trickreiche Ziele forderten von den Schützen sowohl Ausdauer und Kraft als auch ein gutes Auge und Genauigkeit. Da es sich um ein reines “Spaßturnier” handelt, gab es beim Cloutschießen, wie in jedem Jahr, 4 verschiedene Distanzen. In einer Probepasse konnte jeder Schütze sich die Entfernung aussuchen, die für ihn und sein Equipment machbar war. Zur Wahl standen 165m, 120m, 90m und 60m. Letztere waren natürlich nur für die jüngsten Teilnehmer gedacht.Die meisten Erwachsenen tummelten sich auf auf der 165m- und 120m-Linie. 6 Durchgänge à 6 Pfeile zu schießen stellte dann schon einige Anforderungen an Konzentration und Kraft, zumal das ballistische Schießen im 45°-Winkel für die Meisten doch sehr ungewohnt war.

Schießlinie beim Clout

Beim Robin-Hood-Schießen, einem Bewerb bei dem auf Scheiben geschossen und nach jedem Durchgang die Entfernung erhöht wird, zeigte sich, daß ab 50m auch ein Ziel von 1 Quadratmeter erschreckend klein werden kann. Nichtsdestotrotz mussten sich die besten Schützen erst bei einer Distanz von 80m geschlagen geben.

Noch sind die Zielscheiben gut gespickt

Bei den 3D-Zielen gab es diesmal eine Neuerung. Inspiriert vom Bogenreiten gab es ein Holzpferd, von dem aus 3 Schüsse auf eine Zielscheibe abzugeben waren und zwar einmal nach vorne, einmal seitwärts und einmal der sogenannte Partherschuß nach hinten. Diese Aufgabe sorgte bei allen Teilnehmern für einige Begeisterung und bei den Zuschauern für teilweise große Erheiterung.

Das war noch einfach

Aber auch Katapult, Seilbahn und Mobile zeigten wieder einmal, daß es keines riesigen Geländes bedarf, um anspruchsvolle Schießaufgaben zu stellen.
Überhaupt zeigte auch die vierte Auflage dieses Turniers für mich wieder mal, daß man keinen Verein braucht und keinen riesigen Aufwand treiben muss, um eine ansprechende Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Es macht Arbeit, keine Frage, man braucht zuverlässige Leute, aber vorallem Phantasie und einen unverstellten Blick auf die Möglichkeiten, die sich bieten.

Damensitz scheint auch keine Lösung zu sein...

Einen weiteren Artikel über das Turnier mit einer hübschen Fotostrecke findet ihr bei Rhein-Berg online.

Hier gibt es außerdem noch ein paar Bilder mehr.

Von mir gibt es einige Bilder, die mich in einem rosa Tüllröckchen zeigen. Eines dieser Bilder nutze ich zur Zeit als Avatar, unter anderem bei Twitter.

Der Avatar des Anstosses

Da ich in letzter Zeit ein paar Mal gefragt wurde, wie es dazu kam, daß ich mich so zum Horst gemacht habe, gibt es jetzt hier die Entstehungsgeschichte der rosa Eifelelfe und obendrauf noch ein paar weitere Bilder in den Galerien.

Es begab sich im Jahre des Herren 2006, daß ein Krieger aus den Reihen eines kleines, diebischen Bergvolkes, welches am äußersten Westrand des Reiches siedelt — QUATSCH!!

Im Herbst 2006 saß ich mit Freunden am Kochfeuer der Bogenleute in Wiesertsweiler. Es war spät, das Feuer loderte und Bogenschützen unter sich redeten über ihr liebstes Spielzeug. Alles war ruhig (mehr oder weniger) und harmonisch. Da schlich sich langsam aber sicher das Thema “Außenwirkung des traditionellen Bogenschützen” in die Unterhaltung ein — und langsam aber unabwendbar schwoll mir der Kamm….

Ich kann diesen vorauseilenden Gehorsam einfach nicht ab. Mir kommt das Kotzen, wenn ich höre, wie Leute sich Gedanken machen, ob ihr Tun oder Lassen eventuell einem völlig fremden Menschen nicht in den Kram passen könnte. Konkret ging es um die “angemessene” Kleidung auf dem Parcour oder im Wald. Viele Bogenschützen tragen Bundeswehrklamotten, einfach weil sie praktisch, robust und billig sind. Jetzt waren auf einmal einige Strategen auf die Idee gekommen, daß unpassend zu finden, weil “man dann ja so leicht in die rechte Ecke gestellt werden könnte.”

Als ich diesen feigen Halbsatz hörte, platzte mir endgültig der Kragen und von Bier und Met befeuert brüllte ich in die Runde:

” Ich geh so auf den Parcour, wie mir das taugt. Da lass ich mir von keinem unausgelasteten Gutmenschen rein reden. Wenn ich will, dann geh ich im rosa Ballettröckchen und goldenen Gummistiefeln schießen und das geht außer mir niemanden was an!!” Sprach’s und wurde schlagartig nüchtern, weil ich genau wußte, daß ich das bereuen würde…….

Und richtig, rechts, beziehungsweise links, neben mir drehten zwei “gute Freunde”  ihre Köpfe zu mir, grinsten bis an die Ohren und meinten unisono: “Das kriegen wir hin!”

Als ich am nächsten Tag wieder einigermaßen nüchtern war und über die ganze Sache nachdachte, nahm ich sie nicht allzu ernst. Die Beiden wohnen weit weg, wir sehen uns nur selten und der Termin, den sie mir für meinen Rosa-Röckchen-Auftritt ausgesucht hatten, liegt weit in der Zukunft. Das haben die bis dahin vergessen. Bestimmt!!

So schien es dann auch zu laufen, zumindest bei mir. Nach ein paar Wochen hatte ich die Debatte am Lagerfeuer völlig vergessen, bis auf einmal im Forum der Free Archers Bilder von Karly auftauchten. Der war der eine von den beiden “Freunden” die mich damals so hämisch angegrinst hatten. Er hat  in etwa meine Figur  und auf diesen Bildern trug er ein rosa Tüllröckchen. Damit war klar, daß ich aus der Nummer nicht mehr rauskäme und das große Turnier in Neubrunn 2007 im rosa Röckchen schießen würde.

Und so wurde die Rosa Eifelelfe geboren.

Pünktlich zum Turnierbeginn am Samstagmorgen überreichte mir, die bis dahin sehr geschätzte, Bettina das säuberlich gefaltete Röckchen und in der kontemplativen Abgeschiedenheit meines Zeltes kleidete ich mich für einen spektakulären Auftritt um.

Nix bleibt verborgen

Dann ging es raus und 150-200 Augenpaare weiteten sich in einer Mischung aus Erheiterung und blankem Entsetzen. Dann brach brüllendes Gelächter und Applaus los. Mein Puls war inzwischen auch wieder zweistellig und so konnte ich mich dem Gelächter anschließen. Auf dem Turnier spielte das Outfit seine Stärken voll aus. Es war, wie man auf den Bildern sehen kann, ein strahlender, sonniger Tag und Mittags kratzten die Temperaturen an der 30°-Marke.

Elfe im Wald

Da war das luftige Feeling um’s Gemächt eine echte Wohltat. Außerdem war es die perfekte Ausrede um nicht im Gebüsch nach Pfeilen tauchen zu müssen. Lediglich das Rentnerehepaar, dem ich unverbereitet über den Weg lief, wirkte ein wenig schockiert.

Alles in Allem war es für mich eine letztlich ziemlich unangestrengte Aktion. Nach den ersten 5 Minuten Schaulaufen war die Angst weg und es blieb der Spaß.

Entspannte Elfe

Was mir zu denken gegeben hat waren die vielen Leute, die offensichtlich schwer beeindruckt waren, daß ich zu meinem Wort gestanden habe. Ist das wirklich so ungewöhnlich?

Michael

P.S. Wie man sieht, hat es zu goldenen Gummistiefeln glücklicherweise nicht mehr gereicht…

Es war ein, wie üblich völlig sinnfreier, Streit mit meinem Schwiegervater, der mich dazu gebracht hat, mal wieder darüber nachzudenken, warum ich Bogen schieße. In der Debatte, hatte mein Schwiegervater mir vorgeworfen, daß mich die Nachbarn komisch angucken würden, wenn ich im Garten trainiere und schlußendlich hatte er sich zu der Aussage verstiegen, daß ich mir gefälligst einen “anständigen” Sport – bei ihm heißt das Fußball – als Hobby zulegen müße, damit niemand mit dem Finger auf die Familie zeigt….

Aber warum schieße ich eigentlich Bogen? Und warum traditionell? Was ist es, was mir so daran gefällt?

Damion und sein Spielzeug

Ich gehe ja nicht in der Halle oder auf dem FITA-Platz auf Kringelscheiben schießen, sondern in Wald und Feld (Parcour) auf die Jagd nach Tierattrappen. Dabei spielt sicherlich die Freude an der Jagdsimulation und an der Benutzung einer Waffe eine große Rolle. Das ist sozusagen mein großer Traum vom Bogenschießen, den ich immer irgendwo im Hinterkopf habe, wenn ich Bogen und Pfeile von der Wand nehme – Irgendwanneinmal an einem dunstigen Morgen aus dem Zelt zu kriechen, meinen selbstgebauten Bogen, die selbstgemachten Pfeile und die andere Ausrüstung, die ich auch mit eigenen Händen gefertigt habe packen, auf die Jagd gehen und dann abends die Beute über dem Lagerfeuer zubereiten.

Beute

Dabei ist es egal, ob es dann um ein Karnickel oder um einen kapitalen Hirschbock handelt. Mir geht es in meinem Traum darum, mich allein ohne zivilisatorische Hilfsmittel versorgen zu können. Ich möchte meine Beute auch gerne komplett verwerten, mit Haut und Knochen. All das geht mir durch den Kopf, wenn ich im Parcour auf das Gummireh anlege und der Pfeil tatsächlich mit diesem höchst befriedigenden “Tschock” da einschlägt, wo ich das will.

Außerdem ist es mir wichtig, daß mein Erfolg nur von mir und meinem Können abhängt. Es gibt keine Mitspieler und keine Mannschaft denen ich mein Versagen anlasten könnte und ich brauche meinen Erfolg mit niemandem zu teilen.

Das heißt natürlich nicht, daß nicht jeder halbwegs erfahrene Bogenschütze einen ganzen Sack voller Ausreden für eventuelles Versagen mit rumschleppen würde. Die reichen von Temperatur, Licht- und Windverhältnissen über Erdstrahlen, Wasseradern und den Stand der Planeten bis zu botanisch-geografischen Seltsamkeiten. Der gemeine Parcourspringbaum in seinen landschaftstypischen Ausprägungen ist auf jedem Bogensportgelände anzutreffen. Dort nervt er den ambitionierten Schützen, indem er sich spontan in die vorher freie Schußbahn bewegt. Selektive Gravitation ist eine weitere Merkwürdigkeit des Bogensports. Der Schütze wird dazu verführt, zu glauben, er hätte die Entfernung falsch eingeschätzt. Dabei hat sich lediglich die Schwerkraft entlang der Flugbahn seines Pfeiles willkürlich verändert. Dies führt dazu, daß der Pfeil entweder viel zu kurz liegt oder weit über das Ziel hinaus geht.

Aber all das ist halt nichts weiter als mehr oder weniger lustiges Geschwätz. Jeder weiß, daß er (wenn wir mal von Sabotage in irgendeiner Form absehen) niemand anderem die Schuld geben kann, wenn sein Pfeil nicht in’s Ziel trifft. Selbst Argumente, wie: “Der schießt ja mit Visier.” oder andere, die sich auf das Material beziehen sind nur Ausreden. Denn beim Bogenschießen steht es jedem Schützen frei, sich sein Material zu wählen. Es gibt keinen “Aufstieg” und keine Beschränkungen. Wer glaubt, daß eine bestimmte Bogenform einen Vorteil bringt, ist völlig frei, den entsprechenden Bogentyp selber zu schießen.

Jäger und Beute

Warum schieße ich also Bogen?

Weil ich ein romantischer, blutrünstiger, egoistischer Triebtäter bin!!

Michael

Das 3. Turnier des BSV Dodenau-Tatinowi fand am 13. Juni 2009 bei strahlendem Sommerwetter auf dem vereinseigenen Parcour statt.
Um es direkt vorweg zu nehmen, es war für mich ein fast perfektes Turnier.

Am Samstagmorgen trafen sich die Schützen am Parcour zur Einschreibung und
Gruppeneinteilung. Hier sollten die Dodenauer noch einmal überlegen, ob sie beim nächsten Mal die Gruppen nicht fest einteilen wollen. Einige Schützen waren wieder einmal der Meinung, daß die vorgegeben Maximalgröße der Gruppen

Gruppeneinteilung

(6 Teilnehmer) ein unverbindlicher Vorschlag sei. So
führten einige Siebener- und Achtergruppen zu unnötigen Staus auf dem Parcour.
Nach einem letzten Kaffee ging es dann gegen 09.30 auf den Parcour.
Hier hatte die Crew rund um Thomas und Andrea Wickert einen abwechslungsreichen
Mix aus 3D-Tieren und liebevoll selbstgestalteten 2D-Tieren aufgebaut. AnZielen
hatten sie dabei nicht gespart. Insgesamt gab es 70 Ziele von 48 Pflöcken aus zu
schießen.
Dabei wurden die vielfältigen Möglichkeiten, die das Gelände bietet immer wieder
sehr schön genutzt, um die Ziele in Szene zu setzen. Eines meiner persönlichen
Highlights war der Schuß hinter einer Baumwurzel hervor auf Damhirsch und
Hirschkuh.

Mein Lieblingsschuß

Der Parcour bot für jeden Schützen etwas – weite Schüsse über eine tiefe Senke
hinweg, beispielsweise auf ein Löwenpärchen oder eine Giraffe, Schüsse auf mittlere Distanz
auf Geier oder Dachs
und Schüsse von etwas kniffligeren Abschußpositionen aus .

Schuß auf Giraffe

Löwen

Bei der Ausschilderung der Ziele am jeweiligen Pflock haben die Dodenauer
Maßstäbe gesetzt.

Mittelmäßige knifflige Abschußposition

An jedem Pflock gab es eine Beschreibung, welches Ziel zu schießen war und darunter ein Bild des Tieres mit eingezeichneter Killzone. Da
blieben keine Fragen offen.

Vorbildliche Beschriftung

Bei der Parcourführung wurde ebenso überlegt zu Werke gegangen. Wir kamen
insgesamt viermal an einem der beiden Dopingstände vorbei. Bei den herrschenden
Temperaturen war uns das hochwillkommen.
Nach fast 6 Stunden, zwei kurze Pausen eingerechnet, war für uns das Turnier
beendet und wir ließen uns erschöpft aber glücklich und zufrieden nieder, um bei
einem verdienten Bier die Siegerehrung abzuwarten.
Auch hier hat der BSV Dodenau-Tatinowi einen Weg beschritten, der bei den
meisten Turniertelnehmer auf große Zustimmung traf. Es gab für die besten Drei
jeder Klasse eine Urkunde und anschließend wurden Sachpreise unter allen
Teilnehmern verlost, die ihren Schießzettel abgegeben hatten.

Warten auf die Siegerehrung

Für meine Frau und mich war es ein rundum gelungener Turniertag auf einem
schönen, liebevoll angelegten, Parcour. Wir werden sicher gerne wiederkommen.

Um einen Flu-Flu im Klobürstendesign zu bauen brauche ich:

  • einen fertig bearbeiteten Pfeilschaft, hier im Damion’schen Dreifarbenoutfit.
  • zwei Federn in voller Länge und voller Höhe
  • Sekundenkleber
  • Wäscheklammer

Beim Klobürstenpfeil werden die Federn mehr oder weniger eng um den Pfeilschaft gewickelt.
Ich wickle dabei in Richtung zur Nocke. Es ist aber auch möglich die Federn von der Nocke aus in Richtung Spitze um den Schaft zu wickeln.
Das bietet sich an, wenn ein bestimmter Abstand von Nocke zu Feder gewünscht ist.
Als erstes entferne ich auf den ersten 5mm jeder Feder die Grannen, indem ich sie einfach gegen den Strich abziehe. Dann kann ich später einfacher eine Wicklung anbringen.
Jetzt werden die beiden Federn mit Sekundenkleber, einander gegenüberliegend, am Schaft befestigt.

Der Anfang

Es empfiehlt sich vorher mal eine Feder probeweise um den Schaft zu winden, um zu sehen, wo man in etwa ansetzen muss.
Verklebt werden nur die ersten 10-15mm jeder Feder. Anschließend fixiere ich sie mit der Wäscheklammer und lasse das Ganze gut trocknen. Auch „Sekunden“kleber braucht hier ein paar Minuten. Diese Klebung muss sorgfältig ausgeführt werden, weil sie stark belastet wird, wenn man im nächsten Schritt anfängt die erste Feder um den Schaft zu drehen.

Wenn die Klebestellen sicher ausgehärtet sind, beginnt man damit eine der beiden Federn um den Schaft zu wickeln. Ich mach das immer erstmal trocken. Dann bekommt die Feder schon mal eine Biegung in die richtige Richtung und ich hab es nachher beim Verkleben einfacher.
Dann werden die ersten paar Zentimeter Federkiel mit Sekundenkleber beträufelt – ich verwende einen dünnflüssigen Kleber – und fest um den Schaft gewickelt.

Beginn der Wicklung

Ich wickele immer etwas mehr, als ich mit Kleber versehen habe. Dann laufe ich nicht Gefahr, dass ich mir beim Fixieren die Wäscheklammer mit an den Schaft bappe.
Bis hierhin sieht unser Pfeil dann so aus.

Wenn diese ersten paar Zentimeter Wicklung ordentlich verklebt sind, dann wandert man auf die gleiche Art und Weise weiter den Schaft entlang, bis man (hoffentlich) mit dem Ende der Feder am angepeilten Endpunkt ankommt. Dabei empfiehlt es sich meiner Erfahrung nach immer hübsch abschnittsweise zu kleben. Das erleichtert die Arbeit ungemein.
Die zweite Feder wird anschließend auf die gleiche Art und Weise am Schaft entlang gewickelt.
Die einzige zusätzliche Schwierigkeit dabei ist, dass man darauf achten muß keine Grannen der ersten Feder mit der zweiten zusammen an den Schaft zu kleben.
Wenn die Wicklungslänge aber nicht zu klein gewählt ist, geht das eigentlich ganz gut.
Das Ergebnis sieht dann folgendermaßen aus.

So gut wie fertig

Nachdem der Sekundenkleber endgültig ausgehärtet ist, kommt die Wäscheklammer ab und es werden eventuell überstehende Federreste abgeschnitten.

Fertige Befiederung

Der Flu-Flu ist fertig, zumindest was die Befiederung angeht. Es fehlt lediglich noch eine Wicklung am Anfang der Befiederung und eine Sicherungswicklung an der Selfnock.
Aber das gehört hier nicht her.

Von allen Formen, in denen ich Flu-Flus gebaut habe, bremst diese Art den Pfeil am stärksten ab. Das andere Ende des Spektrums bilden bei meinen Flu-Flus die mit 6fach- Befiederung in voller Höhe und min. 5“ Länge. Dazwischen liegen Designs, wie der „Bunte Puschel“ oder halbe Klobürsten, bei denen nur die hintere Hälfte der Feder zur Klobürste verdreht ist.
Natürlich ist auch möglich solche Flu-Flus mit nur einer, um den Schaft gedrehten, Feder zu bauen.

Befiederung von oben

Vorbemerkung

Hierbei handelt es sich um einen älteren Text, der auch schon mal in der Zeitschrift “Traditionell Bogenschießen” abgedruckt wurde. Inzwischen habe ich einige Dutzend Bögen gebaut und würde das Ein- oder Andere anders machen. Ich finde es aber nach wie vor wichtig, auch mal über Fehlschläge zu berichten und damit Anderen Mut zu machen, auch ihre Erfahrungen mitzuteilen.

Los geht’s

Um es direkt und ganz klar vorneweg zu sagen: Dies soll kein „HowTo…“ werden. Es ist vielmehr als eine Art Werkstattbericht gedacht.
Ich beschreibe ganz einfach, wie ich vorgegangen bin und erzähle, was am Ende dabei herauskam.
Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber wenn ich mal wieder einen Versuch starte mir einen Selfbow zu bauen, dann lande ich immer wieder bei Wildkirsche.
Dabei ist es nicht so, dass ich ein besonders erfahrener Bogenbauer wäre, den die
Herausforderung reizt.
Das Gegenteil ist viel mehr der Fall; ich habe bis jetzt erst 4 Bögen gebaut, von denen lediglich ein Flatbow aus Eschebohle noch lebt.
Aber von diesen 4 Bögen waren 2 Selfbows aus Wildkirsche.
Daher ist es irgendwie nicht verwunderlich, dass ich, als mich wieder mal der Wunsch überkam, einen neuen Versuch zu machen, wieder an einem Spaltling aus Wildkirsche hängen blieb. Und es war wieder ein Stave mit Fehlern und Knorren, verdreht und mit Astlöchern. .
Jürgen, in dessen Kellerwerkstatt all das stattfand, rollte schon wieder verzweifelt die Augen.
Der Rohling war 173cm lang und maximal 6cm breit. Das ließ mir nicht allzu viel Spielraum für Experimente.

Der grob bearbeitete Rohling

Da mir meine beiden vorigen Rohlinge entweder bei den ersten Schüssen oder schon auf dem Tillerbrett gebrochen waren, wollte ich es diesmal mit einem Backing aus Rohhaut versuchen.
Davon versprach ich mir einen Schutz vor einem Bruch durch Spanabhebung am Rücken.
Gleichzeitig wollte ich durch die Wahl des Materials vermeiden, dass die Wildkirsche durch ein zu starkes Backing überbeansprucht wird und sich mit Stauchrissen rächt.
Als Erstes habe ich den Rohling mittel eines stumpfen Ziehmessers und einer Ziehlinge entrindet und von der, unter der Rinde liegenden, dunklen Bastschicht befreit.
Dabei ist es wichtig, dass das Ziehmesser tatsächlich einigermaßen stumpf ist, damit man nicht aus Versehen in den ersten Jahresring schneidet.

Eine der hübschen Fehlerstellen

Dasselbe gilt für die Ziehklinge, mit der ich eventuell anhaftenden Bast abgezogen habe.
Anschließende habe ich den Rohling mit einer, diesmal scharfen, Axt, abgesehen vom geplanten Griffbereich, auf etwa 2cm Stärke abgearbeitet.
Beim nächsten Mal werde ich für diesen Arbeitsschritt allerdings einen Dexel (Querbeil) verwenden. Das mit lässt sich wesentlich angenehmer und handgelenkschonender arbeiten.
Es hatte etwas ausgesprochen Befriedigendes die Späne fliegen zu lassen und zu sehen, wie mit jedem Schlag der Bogen mehr Gestalt annahm.

Nachdem diese Grobarbeit erledigt war, habe ich die geplante Bogenform mit Bleistift auf dem Rücken aufgezeichnet und anschließend mit dem Ziehmesser ausgearbeitet.Danach habe ich den Bogenbauch vorsichtig mit einem Ziehmesser geglättet.Hier zeigte sich direkt ein großes Problem bei der Bearbeitung dieses Holzes mit dem Ziehmesser. Man hat sehr, sehr schnell einen dicken Span gerissen, weil das Messer sich gelegentlich unerwartet tief in das Holz frisst und es dann sehr schwierig ist, das zu korrigieren.
So bearbeitet bog sich der Rohling beim Bodentiller schon ganz anständig.
Damit waren die Vorarbeiten erstmal beendet.
Jetzt ging es an das Auflegen der Rohhaut.
Da ich den „Charakter“ des Bogens möglichst erhalten wollte, habe ich darauf verzichtet, den
Rücken plan zu hobeln.
Ich wollte die Rohhaut über sämtliche Knubbel und Knorren drüberkleben und so den gewachsenen Rücken damit abdecken.
Dazu hatte ich mir zwei Streifen Rohhaut geschnitten, die im Griffbereich überlappen sollten.

Stave und Rohhaut

Diese wurden einige Zeit in heißem Wasser eingeweicht.
In der Zwischenzeit wurden der Bogenrücken und die Seiten mit Propellerleim von Bindan eingestrichen.
Die eingeweichten Rohhautstreifen wurden leicht ausgedrückt, ebenfalls mit Leim eingepinselt und dann auf den Bogenrücken aufgelegt und mit ein paar Schnurwicklungen provisorisch befestigt — und damit kam es zur ersten „Katastrophe“.
Eigentlich hatte ich geplant, die Rohhaut mit ein paar Streifen Gummi auf den Rohling aufzuwickeln. Davon war ich aber wieder abgekommen, da ich befürchtete, dass der Leim unter der Gummischicht nicht ordentlich trocknen würde.
Die nächste Überlegung ging dann dahin, Mullbinden zum Festwickeln der Rohhaut zu verwenden. Diese wären luftdurchlässig und würden sich auch schön stramm wickeln lassen.
Aber wie das in fortgeschrittenem Alter so ist — ich hatte vergessen welche zu besorgen.
Ohne weiter darüber nachzudenken griff ich also zu dem Knäuel mit der Hanfschnur und begann den Bogen dicht an dicht damit zu umwickeln.

Umwickelter Stave

Als ich nach 10 Minuten angestrengten Wickelns die ersten 15 Zentimeter Bogen fertig umwickelt hatte ging mir endlich auf, was ich da vorhatte.
Aber jetzt konnte und wollte ich auch nicht mehr zurück.

Da kamen mir erste Bedenken...

Nach knapp 2 Stunden angestrengten Wickelns und Fluchens hatte ich den Bogen endlich komplett mit Schnur umwickelt und damit das Rohhautbacking sicher auf den Bogenrücken aufgepresst.
Natürlich war das nicht ohne Nachweichen und Nachleimen abgegangen.
So verpackt durfte der werdende Bogen dann ein paar Tage in der Werkstatt ruhen.
Während dieser Zeit hatte ich Gelegenheit die Blasen an meinen Fingern zu pflegen.
Außerdem meldeten sich erste Bedenken, dass es vielleicht keine so gute Idee gewesen sein könnte, Hanfschnur zu benutzen, da diese ja auch gut mit Weißleim zu kleben ist.
Würde ich die Schnur jemals wieder vernünftig abbekommen?
Glücklicherweise erwiesen sich alle Bedenken in dieser Hinsicht als überflüssig. Die Schnur ließ sich einfach abwickeln; lediglich an den Kanten der Rohhaut, wo etwas Leim ausgetreten war, blieben ein paar Fasern hängen.
Nun ging es an ’s Fertigtillern.
Dabei zeigte der Rohling schon beim ersten Aufspannen auf der Tillerwand seine ganze Bosheit.
Die Wurfarme bogen sie sich recht ungleichmäßig; der Linke war am Ende viel zu steif, der Rechte bog griffnah kaum. Außerdem waren sie leicht gegeneinander verdreht.
Trotz aller Bemühungen mit Ziehklinge, Flott und Schleifpapier ist es mir nicht gelungen, diese Fehler restlos auszumerzen.
Da aber zwischenzeitlich das Zuggewicht auf 27#@28“ gesunken war, beschloss ich, nicht mehr weiter am Tiller zu arbeiten.
Nach ein wenig Feinschliff mit 120er und 240 er Papier und feiner Stahlwolle erhielt der Bogen einen ersten Anstrich mit selbstgemischtem Lack (Kolophonium in Spiritus).
Insgesamt bekam der Bogen 5 Schichten Lack spendiert, von denen jede gründlich (2-3 Tage) durchtrocknen durfte und die vor jedem neuen Anstrich mit feiner Stahlwolle angeschliffen wurde. Der letzte Lackauftrag brauchte dann fast eine Woche, bis er wirklich durchgetrocknet war.

Detail des lackierten und geschliffenen Backings

Ganz zum Schluss wurde der Rohhautbelag an der Poliermaschine mit Bienenwachs aufpoliert und eine Griffwicklung aus Hanfschnur angebracht.
Die Sehne habe ich aus gewachstem Leinenzwirn (Schusterzwirn) gedreht, jeweils 5 Stränge
in hell und in schwarz, flämisch gespleißt mit Öhrchen an beiden Enden.
Fazit:
Mir hat die Arbeit an diem Bogen viel Freude gemacht, auch wenn das am Ende erreichte Zuggewicht nicht meinen Vorstellungen entspricht.
Für mich ist Wildkirsche immer noch einfach ein schönes Holz.

Mieser Tiller

Die Arbeit mit der Rohhaut hat sich als erstaunlich unproblematisch herausgestellt und ich werde sicher noch mehr Projekte mit diesem Werkstoff in Angriff nehmen; nicht nur Bögen, sondern vielleicht auch mal Messerscheiden oder einen Köcher.
Eine weitere Erkenntnis aus diesem Projekt, ist, dass es erstaunlich einfach ist, einen tauglichen und einfach zu verarbeitenden Lack selber herzustellen.
Der Kolophonium-Spiritus-Lack braucht keinerlei besondere Werkzeuge oder irgendwelche
Spezialkenntnisse. Ich habe einfach gemahlenes Kolophonium mit haushaltsüblichem Brennspiritus in einem alten Gurkenglas aufgegossen.
Dieses hatte ich in einem Topf warmen Wassers stehen, um die Lösung zu beschleunigen.
Als sich kein Kolophonium mehr gelöst hat, sondern es sich als Bodensatz absetzte, habe ich
einfach noch ein wenig Spiritus zugegeben, bis der Bodensatz sich wieder auflöste — Lack fertig.
Zum Schluss noch ein paar Maße meines Bogens:
Länge über Alles 1720mm
Länge Nockkerbe zu Nockkerbe 1680mm
Größte Wurfarmbreite 47mm unterer Wurfarm / 50mm oberer Wurfarm
Länge Griffstück 140mm
Dicke Griffstück 38mm
Breite Griffstück 40mm
Größte Dicke Wurfarm 16mm unterer Wurfarm / 15mm oberer Wurfarm
Dicke an den Tipps 8mm
Vielleicht werden durch diesen Bericht ja noch mehr Amateurbogenbauer ermuntert, uns über ihre Projekte zu berichten und zwar ohne Bedenken wegen Erfolg oder Misserfolg.

Kürzlich las ich diesen Artikel in der Onlineausgabe der Zeit. Das bringt mich dazu mir hier mal was von der Seele zu schreiben.

Auf den ersten Blick scheint der Zeitartikel nichts mit meinem „Problem“ zu tun zu haben.

In ihm geht es um die Journalistin, Schriftstellerin und ehemalige Herausgeberin der „Zeit“, Marion Gräfin Dönhoff; in meinem Artikel wird es um die Preisgestaltung beim Bogenbau gehen.

Das Verbindungsglied zwischen beiden Dingen sind die Begriffe „Maßstab“ und „Integrität“.

Gemeinsam mit einem Freund habe ich eine Serie von dreiteiligen Jagdrecurves entwickelt und vertreibe sie jetzt über meine Geschäftshomepage.

Diese Bögen sind sehr leistungsfähig, aber schlicht in der Gestaltung.

Ihr versteht sicher, dass ich hier die Kalkulation nicht öffentlich machen will, aber sie ist solide und sichert uns einen großzügigen Verdienst.

Trotzdem werden wir auf einmal von der „Konkurrenz“ angefeindet und es wird uns vorgeworfen, dass wir mit unseren „Dumpingpreisen“ das Preisgefüge zerstören würden.

Die Begründung dafür ist in meinen Augen geradezu hanebüchen.

Kurz gefasst lautet sie:

„Wir zerstören das Preisgefüge, weil wir unseren Kunden nicht soviel Geld abnehmen, wie wir könnten. Dadurch, dass wir mit einer Gewinnspanne zufrieden sind, die wir für angemessen halten, zwingen wir die Konkurrenz ihre Preise zu senken.“

Liebe Leute, wo leben wir denn??

Ich lasse mir doch die Preisgestaltung meines eigenen Geschäftes nicht von den Mitbewerbern vorschreiben.

Ich mache ein „ehrliches“ Geschäft. Hier kommt dann die Gräfin Dönhoff ins Spiel und mit ihr der Begriff der Integrität. So, wie diese Frau als Journalistin ihren Lesern immer alle Fakten an die Hand gegeben hat und ihnen so die Möglichkeit gab, sich ein eigenes Bild zu machen, genau so schwatze ich meinen Kunden nichts auf und nehme sie nicht aus. Das erlaubt es mir, jeden Morgen ruhigen Gewissens in den Spiegel zu schauen und es beschert mir ein nachhaltiges Geschäft.

Fast jeder Kunde von mir kommt wieder und kauft ein zweites und drittes Mal bei mir ein.

Ich kann meine Preisgestaltung guten Gewissens vor meinen Kunden rechtfertigen.

Wer das nicht, beziehungsweise nur damit kann, das andere Anbieter auch nicht billiger sind, der betrügt seine Kunden und das wird auf Dauer immer bestraft.

Was mich an der ganzen Geschichte so erschreckt und ärgert ist, dass bei den Gegnern auch einige Leute dabei sind, die ich bisher zu den „Netten“ gezählt habe.

Offensichtlich hört aber tatsächlich bei Geld alle Nettigkeit auf.

Aber wir werden ja sehen, wer von uns Recht hat und dauerhaft im Geschäft bleibt.

Damion

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