Das Urteil des BGH zur aktiven Sterbehilfe, oder wie es im Juristendeutsch heißt: “Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen auf der Grundlage des Patientenwillens” hat für einigen Wirbel in meiner Bekanntschaft gesorgt.

Mein eigener Zugang zu dem Thema ist wie meistens ziemlich einfach und gradlinig. Die Kurzfassung bildet die Überschrift dieses Textes.

Ein Schlüsselerlebnis für mich war das langsame Sterben meiner Großmutter. Wobei Sterben ein höchst euphemistischer Ausdruck für ein, in meinen Augen menschenunwürdiges, Verrotten bei lebendigem Leibe ist.

Zum Schluß lag sie als lebende Leiche, blind, taub, geistig verwirrt und unfähig zu jeder selbstständigen Handlung in einem Aachener Pflegeheim. Der Körper wurde künstlich ernährt und alle 2 Stunden kam jemand und drehte den Kadaver auf die andere Seite, um einen Dekubitus zu vermeiden. In dieser Situation bedrängte dann ein Mediziner meine Mutter, ihre Einwilligung zu einer Herzoperation zu geben, damit dem lebenden Leichnam meiner Oma ein Schrittmacher eingesetzt werden könnte. Damit könne sie noch gut 10 -15 Jahre “weiterleben”.

Dieser Dr. Frankenstein war hell empört, als meine Mutter die Einwilligung verweigerte und unterstellte ihr, sie wolle ihre Mutter nur schnellsten loswerden. Leider war Pflegepersonal anwesend, das mich gehindert hat, den Arsch mit seinem eigenen Stethoskop zu erwürgen.

Der Vorfall hat meine Einstellung zum eigenen Sterben entscheidend geprägt. Ich will keinesfalls so entwürdigt und entmündigt verrecken. Für mich besteht einer, wenn nicht DER fundamentale Unterschied zwischen Mensch und Tier darin, daß der Mensch die Fähigkeit hat jederzeit zu entscheiden sein Leben zu beenden. Dabei steht es niemand anderem zu, diese Entscheidung als Zeichen eingeschränkter Geisteskraft zu brandmarken und denjenigen zu entmündigen, indem er ihn einsperrt und /oder zwangsweise medikamentiert und am Leben erhält.

Ich empfinde es als grenzenlose Arroganz des Mobs, daß in unserer ach so kultivierten Welt, jeder, der das Pech hat einen Suicid zu überleben, erst mal als psychisch krank beurteilt wird. Es erschreckt mich zutiefst, wenn ich in Gesprächen mit alten Leuten bemerke, wie tief diese Einstellung verwurzelt ist.
Da redet man über die Probleme des Älterwerdens, darüber, wie wenig man als Tattergreis noch vom Leben hat, wie teuer es ist, daß sie alleine sind und so weiter. Dann sage ich irgendwann: “So alt will ich garnicht werden.” und prompt wird der Untergang des Abendlandes eingeläutet.
So darf ich nicht denken, Ziel des Lebens muss sein möglichst alt zu werden und überhaupt muss ich mehr für meine Gesundheit tun, damit ich meinem Sohn und eventuellen Enkeln möglichst lange erhalten bleibe. Merkwürdig bloß, daß bei all diesen Argumenten, die mir da dann um die Ohren geschlagen werden, nie von MIR die Rede ist. Es ist zwar mein Leben und Sterben, über das geredet wird, aber es geht immer nur um die Folgen für ANDERE Leute.
Immer wird betont, daß ich mir doch Gedanken darum machen muss, was ich meiner Umgebung mit einem Freitod antäte.

Eher wütend als betroffen macht mich die Darstellung der Thematik Freitod / Ablehnung von lebensverlängernden Maßnahmen/ Patientenverfügung in den meisten Medien. Es wird so getan, als wären nur Psychopathen oder egozentrische, potentielle, Mörder unterwegs. Es wird darüber spekuliert, ob man überhaupt sicher sein kann, daß eine Patientenverfügung tatsächlich von der verreckenden Oma stammt. Viel wahrscheinlicher scheint ja zu sein, daß der Sohn oder Enkel die Alte einfach billig quit werden will. Leute die im Angesicht einer unausweichlichen Diagnose – Ja, ich weiß, es könnte ja morgen ein medizinisches Wunder geschehen – eine Verfügung aufsetzen werden von willfährigen Frankensteinmedizinern zu unzurechnungsfähigen Irren gestempelt, weil ja (implizit) nur sie befähigt sind, kraft ihres Arztseins, im Angesicht des Todes rationale Entscheidungen zu treffen. Und der deutsche Michel nickt dazu mit seiner Schlafmütze…..

Damit wir uns richtig verstehen, mir ist bewußt, daß es sich um ein komplexes Thema handelt.
Aber letztendlich führt für mich kein Weg daran vorbei, daß MEINE Entscheidung gefälligst zu akzeptieren ist.
Ohne ganz konkreten Verdacht, da? etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte, hat kein Arzt, Pfaffe, Politiker, Anwalt oder wer auch immer meine Entscheidung, mein Leben zu beenden, anzufechten.

Michael

P.S. Bei der Geschichte mit meiner Oma ging es dem Arzt, meiner festen Überzeugung nach, nur darum, dem Pflegeheim eine einfache Einnahmequelle zu erhalten. Geld ist in dieser Diskussion etwas, daß mir bisher nur als “Mordmotiv” begegnet ist…….

Ein leicht verspätetter Bericht….*Tüdelü*

Ja richtig, irgendwie hatte ich mich mal wieder in eine selten dämliche Geschichte reingeritten. Ich würde die Organisation für ein “Winterlager” übernehmen, d.h. ich besorge einen Zeltplatz mit Minimalausstattung – Toiletten, Duschen – auf dem Ende Januar ein paar Verrückte ausprobieren können, wie wintertauglich ihre Mittelalteraustattung ist.

Mein einsames Zelt am Donnerstagabend

So trafen sich am letzten Januarwochenende 14 Leute auf dem Jugendzeltplatz “Tiefenbachtal” zwischen Simmerath und Huppenbroich, um, von ihren Freunden entweder milde belächelt oder für völlig bekloppt erklärt, das Abenteuer “Wintercamping im Mittelalter” anzugehen.
Der Zeltplatz ist zwar nur von einer dünnen Schneeschicht bedeckt, dafür aber betonhart gefroren; etwas worüber sich niemand von uns im Vorfeld Gedanken gemacht hatte. Der Aufbau meines Zeltes am Donnerstagabend war ein echter Kraftakt und bis zum Ende des Lagers blieb immer ein gewisse Unsicherheit übrig, ob die Häringe wirklich halten werden, wo sie doch nur ein paar Zentimeter tief im Boden steckten. Am Sonntag sollte sich allerdings zeigen, daß das “Ziehen” der Häringe eine wesentlich größere Herausforderung werden würde als das Einschlagen.
Nachdem das Zelt dann endlich aufgebaut ist, das Auto entladen, der ganze Kram verstaut und verräumt, verabschiedet sich mein Weib und ich bleibe alleine zurück. Ich schaue mich noch ein wenig um, lese ein bißchen und verkrieche mich dann mit einem großzügig bemessenen Becher Rotwein unter meine Felle. Zu meinem eigenen Erstaunen schlafe ich “wie ein Baby” bis weit in den Morgen hinein und schaffe es gerade so mein Frühstück zu beenden, bevor der Platzwart mit dem bestellten Feuerholz anrückt. Auch er sieht mich zweifelnd und ein wenig mitleidig an. Trotzdem hilft er mir die 3 Festmeter Buchen- und Eschenholz abzuladen und trocken aufzuschichten. Dann überprüften wir nochmals bei einem Rundgang, ob Alles so funktioniert, wie es soll und dann bleibt mir nur noch das Warten auf die anderen Wahnsinnigen.

Das Lager wächst

Die treffen dann auch so nach und nach ein, die Kronsbergerin samt Gefolge aus Hannover, Sir John Cheney von Shurland Hall (Köln) und meine Freunde vom Stapellager.
Der Aufbau der Zelte machte dann Allen klar, worauf sie sich eingelassen hatten und sorgte für einige höchst skeptische Gesichter. Die klärten sich allerdings wieder auf, beim Anblick einer großen Küche, eines beheizten Essraumes und von Duschen mit heißem Wasser. Wenn es zu hart werden würde, könnte man also jederzeit aussteigen.

"Sir" John Cheney

Die Kronsbergerin

Erste Gespräche

Solcherart beruhigt versammelten sich Alle um das inzwischen entzündete Lagerfeuer, um sich bei heißem Würzwein, Met und Schwarzbier und gegrilltem Geflügel mit einander bekannt zu machen und bis weit in die Nacht hinein zu schwatzen und zu trinken —— trotz Temperaturen von -12°C.

Lagerfeuerromantik

Das Frühstück am Samstagmorgen fand dann doch im großen geheizten Gemeinschaftsraum statt. Irgendwie waren wir nach einer relativ kurzen Nacht nicht so ganz bereit für Kälte, harte Butter und gefrorene Suppe…

Frühstück??

Aber nach Kaffee und Brot ging es dann wieder hinaus, zu Bogenschießen und Spaziergängen durch den winterlichen Eifelwald. Ein echtes Highlight war die Ankunft von Stefan und Sabine, die eine innovative Lösung präsentierten, wie man ein Landsknechtzelt mit einem Smart transportiert.

Logistische Meisterleistung

Außerdem rückten noch Kathi und Thilo aus Warendorf an. Auch sie hatten die weite Anreise nicht gescheut, nur um auszuprobieren, ob sie eine Nacht im Eifelwinter überstehen würden.
So verging auch der Samstag recht schnell mit Zeltaufbauen, Begrüßungen, Gesprächen, Bogenschießen und der Zubereitung von heißem Wein und Met.

Kathi

Thilo

Sonntag stand dann, ob der teilweise doch sehr weiten Fahrstrecken, ganz im Zeichen des Abbaus. Hier zeigte sich dann die ganze Tücke eines Winterlagers. Es ist zwar schwierig geschmiedete Zelthäringe IN den gefrorenen Boden hinein zu bekommen. Aber es ist noch viel schwieriger, sie nach einem einem Wochenende im Permafrostboden wieder AUS dem Boden zu bekommen. Letzendlich gelang es uns nur durch Unmengen kochenden Wassers, die im Staffelbetrieb ununterbrochen herangeschafft wurden.
Für mich war das Winterlager eine Erfahrung. Es war das erste Mal, daß ich eine solche Veranstaltung organisiert habe und ich bin heilfroh gewesen, daß ich nichts Wesentliches vergessen hatte. Ich bin auch stolz auf mich, die 3 Nächte durchgehalten zu haben. Das war allerdings wesentlich einfacher, als ich gedacht hatte. Meine Ausrüstung hat sich bewährt und ich hatte keinerlei Probleme. Einige meiner Gäste mussten hingegen nach einer Nacht die Segel streichen und in den Gemeinschaftsraum umziehen.

Ob ich ein solches Lager noch einmal mitmachen würde, weiß ich nicht genau. Die Gegeneinladung nach Hannover zu den Kronsbergern habe ich jedenfalls ausgeschlagen. Das liegt aber mehr in meiner derzeitigen “Mittelaltermüdigkeit” als in der Angst vor einem weiteren Lager im Winter begründet.

Noch mehr Bilder gibt es in der entsprechenden Galerie.

Wie vielleicht dem ein- oder anderen meiner sporadischen Leser aufgefallen sein mag, hat sich das Template meiner Seite verändert.

Einer der wenigen Mac-User unter meinen Lesern hat sich immer wieder mal beklagt, daß mein altes Template sich irgendwie nicht so gut mit Safari und / oder seinen Kommentaren verträgt. Deshalb habe ich in einer stillen Stunde mal verschiedene Templates ausprobiert, die mir als browser- bzw. macfreundlich angepriesen worden waren – und wie Loki es will, kommt genau da meine Lady dazu, wirft einen Blick auf den Laptop und meint: “Wird ja auch Zeit, daß du dieses alberne Design loswirst. Aus dem Alter bist du doch wohl raus?!”

Noch bevor ich eine passende Replik auf diese unverschämte Bemerkung meines geliebten Weibes und hauptamtlichen Nagels zu meinem Sarg, formulieren kann, zeigt sie auf das Suffusion-Template und stellt ein für allemal fest: “Nimm das! Das wirkt wenigstens seriös und die Leute kennen dich ja nicht!”

Wer bin ich, da zu widersprechen – und so ganz unrecht hat sie ja auch nicht….

Damion

Tja, also… äh… ich gebe es ja ungern zu, aber auch mich alten Web2.0-Verweigerer, der bisher ohne Facebook gelebt und sein erstes Blog schnell wieder eingestampft hat, hat der Twittervirus erwischt.
Twitter hat etwas von Weltenrettungsdebatten nach zuviel Bier in der Stammkneipe, vermischt mit dem ruhigen Gespräch unter Freunden bei einer guten Flasche Wein.
Das meiste „Gezwitscher“ ist halt genau das, belangloses Gelaber, Statusmeldungen von Leuten, die man eigentlich nicht kennt, Frotzelei und Witzchen.

Aber es gibt auch eine andere Seite und diese besteht darin, dass man vielleicht soweit Kontakt zu „Fremden“ aufbaut, dass es auch zu einem Treffen im richtigen Leben kommt.
Mit ein paar wenigen Leuten aus meiner „Timeline“ ist es tatsächlich soweit gekommen.
Eine mutige, junge Dame aus Aachen, eine Bücherschubserin (Antiquarin), die in der virtuellen Twitterwelt als MissMarple76 auftritt, lud zum Essen in ihr Heim.
So trafen sich an einem schönen Samstagabend 8 neugierige Menschen in Aachen, um gemeinsam um einen großen Tisch zu sitzen, zu essen, zu trinken und geistvolle Gespräche zu führen.
Die Teilnehmer der illustren Runde waren: MissMarple76 – die Hausherrin und Lieferantin eines hervorragenden Essens, die Queenofwhatever, die glasperle, derZeitreiser, die Herren VolkerGoebbels und AndiH und meine Wenigkeit, der Eifelpfeil nebst seiner Lady.
Das Schöne bei solchen Treffen mit Leuten, die man nur aus der virtuellen Welt des Internets kennt, bzw. zu kennen glaubt ist für mich der Abgleich mit der Wirklichkeit.
Da schnitten das Internet und meine Vorstellungen schon bei MissMarples Behausung schlecht ab.
Entgegen der Darstellung von Google Maps wohnt sie nämlich nicht unter einer
Eisenbahnbrücke, sondern in einem schönen, renovierten, klassizistischen Haus in der Aachener „Altstadt“. Die Räume der Wohnung waren tatsächlich höher als breit und gaben dem Ambiente etwas kathedralenmäßiges. Entgegen meiner Vorstellung waren die Wände
nicht mit Bücherregalen voller wertvoller Erstdrucke vollgestellt, sondern einfach weiß getüncht und ansonsten weitgehend frei.

Schon während des Aperitifs, von erschreckend grüner Farbe, aber doch wohlschmeckend, kam erstaunlich schnell ein ungezwungenes Gespräch zustande, dass sich während des Essens fortsetzte.
Das Dreigangmenü war hervorragend und traf zumindest genau meinen Geschmack; ein „herbstliches“ Menü mit Feldsalat als Vorspeise, Hühnerbrust mit Kürbisgemüse und
selbstgemachten Gnocchi (Big Respekt) und zum Abschluss Pfannkuchen mit Cremefüllung.
Für meine Lady und mich endete so gegen 23.00 ein rundum gelungener Abend.
Mir hat dieses Ereignis wieder einmal gezeigt, dass es sich lohnt, überall dem Vernetzungs- und Web2.0-Gerede das richtige Leben nicht zu vergessen.
Wirklich kennen lernen kann man all die „Freunde“ aus dem Internet nämlich nur da, so altmodisch das klingt.
Mich hat der Mut, anders kann ich es nennen, unserer Gastgeberin, sich wildfremde Leute in die Wohnung einzuladen, sehr beeindruckt.
Die Aktion hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das zeigt sich schon daran, dass sie in 2010 ihre Fortsetzung bei der Queenofwhatever finden wird.

Noch ein paar Sätze zur Erklärung.
1. bei der kryptischen Zeichenfolge in der Überschrift (#ibkmf01) handelt es sich um
eine Abkürzung und einen sogenannten Hashtag. Er bedeutet: „Ich bekoche meine Follower“ und dient dazu, die diesbezüglichen Posts in der Twittertimeline schneller zu finden.
2. Auch wenn es sich von selbst verstehen sollte, nenne ich hier natürlich keine Klarnamen oder Adressen. Wenn sich jemand für die Teilnehmer interessiert möge er sich bei Twitter anmelden und nach ihnen suchen.

So long

Damion

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