Klappentext: Das Spiel gehört zum Leben, es kann heiter oder tragisch sein – und wir sollten seine Regeln kennen und verstehen. Die Spieltheorie findet in immer weiteren Bereichen unseres Lebens Grundmuster, die uns dabei helfen. Pierre Basieux schreitet in diesem Essay von populären Spielen wie Poker und Roulette fort zum kreativen Spiel um unser gesellschaftliches Überleben, zum innovativen Spiel mit unseren Ideen und zum existenziellen Spiel auf der Suche nach Sinn.

Die Welt als Spiel - Spieltheorie in Gesellschaft, Wirtschaft und Natur
Ich war ausgesprochen skeptisch, als mich ein Freund immer wieder auf dieses Taschenbuch hinwies, denn Mathematik ist nun wirklich nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Andererseits finde ich es reizvoll, darüber nachzudenken und auszuprobieren, wie wir so “ticken”. Also habe ich mich dann doch irgendwann auf das Buch eingelassen.
Eins direkt vorneweg: Die Mathematik hält sich sehr in Grenzen. Den Integralhelm braucht man nicht aufzusetzen….
Das Buch beginnt mit klassischen Beispielen. Münzwurf, Poker, Roulett, aber auch Gefangenendilemma und Ultimatumspiel sind die Beispiele an denen Erkenntisse der Spieltheorie, Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung veranschaulicht werden. Im weiteren Verlauf werden diese Ergebnisse aus der reinen “Spielwelt” auf Situationen im “richtigen” Leben und von da aus auf gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen übertragen. In einem letzten Kapitel werden dann die großen Fragen des Lebens untersucht; beispielsweise “Was ist Leben?” “Was ist Religiosität?” “Wie verhält es sich mit Dogmen aller Art?”
So wird das “Ultimatumspiel” – Eine Geldsumme soll an 2 Spieler verteilt werden. Es gelten folgende Regeln: Spieler A muss Spieler B ein Angebot machen bei dem A mehr bekommt als B. Wenn B ablehnt bekommen beide Spieler nichts. Es gibt nur einen Versuch und es wird nicht verhandelt – auf Verhandlungen zwischen Unternehmen, oder auf den Aktienmarkt übertragen. Unser Verhalten dabei, ist ein Beispiel dafür, daß wir bei weitem nicht so rational handeln, wie wir in solchen Situationen gerne behaupten.

Mehr Mathe braucht man nicht
Für mich selber war es sehr befriedigend zu erfahren, daß mein Motto nach dem ich mein Leben ausrichte, oder mich zumindest bemühe es auszurichten, Sinn macht und das es auch mathematisch zu verifizieren ist. “Wie du mir, so ich dir” (Tit for Tat) erweist sich in allen unendlichen ( “unendlich” meint hier unverhersehbare, zufällige Spieldauer) Simulationen als überlegene Strategie — obwohl sie nie den größtmöglichen Gewinn in einem Einzelkampf liefert. Aber sie liefert eben immer einen gewissen Gewinn in JEDEM Kampf und nie den maximalen Verlust.
Ein weiterer wichtiger Gedanke, der sich durch das ganze Buch zieht, ist die feste Überzeugung des Autors, daß Mathematik keine Lösungen liefert. Sie kann aber immer, auch in Bereichen, die wir üblicherweise für irrational und unwissenschaftlich halten, Wege zu einer Lösung aufzeigen.
Man merkt, finde ich, dem ganzen Buch an, daß es jemand geschrieben hat, der sein Thema beherrscht. Deshalb ist er in der Lage auch komplizierte Sachverhalte für Laien verständlich darzustellen, ohne schulmeisterlich zu wirken oder grob zu vereinfachen. Außerdem ist er so souverän, daß er die Leistung anderer auf seinem Gebiet freimütig anerkennen und sie vollständig nennen kann, ohne daß ihm ein Zacken aus der Krone bricht. Das schlägt sich in einer sehr ausführlichen Liste mit weiterführender Literatur in jeder “Preisklasse” am Ende des Buches nieder. Nicht zuletzt spürt man meiner Meinung nach, daß Herr Basieux selber ein Zocker ist. Kein Mensch, der “gerne spielt”, sondern ein echter, harter Zocker. Er hat es nur gut unter Kontrolle. Man merkt es aber seinen Beschreibungen an, wenn es um Roulettsysteme oder Lottoquoten geht.
Ich habe an dem Buch meinen Spaß gehabt und empfehle es vobehaltlos weiter, an all die, die auch mal ein wenig hinter die Kulissen der Welt schauen wollen.