Wie (fast) jedes Jahr sollte es auch in diesem Mai mal wieder Richtung Würzburg, genauer gesagt nach Neubrunn, zu einem der größten Treffen traditioneller Bogenschützen in Deutschland, gehen. In diesem Jahr fand erstmals eine “deutliche” Trennung zwischen Turnier und Treffen statt; das heißt, am ersten Wochenende Turnier und danach eine Woche lang Treffen nach Gusto. Da mein Weibchen keine Lust hatte, die ganze Zeit mit “den Verrückten” zu verbringen, fuhr ich diesmal mit Karl-Heinz von Köln aus mit.

Nach einigen höchst zweifelnden Blicken auf den Berg Gepäck, Bogenkram und Verpflegung, begannen wir am Freitagmorgen damit, alles im PickUp zu verstauen — natürlich bei strömendem Regen. Dann ging es ab auf die Bahn, Richtung Süden.

Das Wetter wurde während der Fahrt nicht wesentlich besser, aber immerhin hatten wir Glück und konnten unser Lager trocken aufbauen. Zelte, Pavillon, Tisch und Stühle stehen – erst mal ein Bier und dann ‘ne entspannte Platzrunde und schauen, wer von den Verrückten schon eingeflogen ist. Danach treffen sich Freunde und Bekannte an unserem Tisch zu Bier, Futter und Gequatsche.

Erster Abend im Lager

Nach einer viel zu kurzen Nacht startete dann am Samstagmorgen das Turnier. Gut über 220 Schützen verteilten sich in Gruppen von maximal 6 Leuten im Neubrunner Forst, um Gummitiere zu erlegen.

Vor dem "Morgengebet"

Diese waren, wie immer, “schön” gestellt; nicht zu weit, aber kniffelig. Man musste sich einige Male heftig verbiegen, um ein freies Schußfenster zu finden, oder, wenn man so fett und und unbeweglich wie ich ist, einfach Ullr vertrauen und “draufhalten”.

Einfach drauf....

Es war halt ein ganz typisches Neubrunn-Turnier. Gutes Wetter, ein tolles Gelände und jede Menge Schüße, bei denen man entweder dachte: “Oh Gott, das geht ja garnicht!” oder ” Häh?? Was für ein langweiliger Autobahnschuß!”. Egal, man wurde meistens eines Besseren belehrt…

Erwähnenswert erscheint mir lediglich noch meine Bekanntschaft mit Toms “Instantkill”. Der Säbelzahntiger stand im Wald zwischen jeder Menge jungen Bäumchen und ich hatte beim ersten Versuch meinen Pfeil auf der Schulter aufsetzen lassen und ihn so ewig weit in’s Unterholz befördert. Schuß No.2 landet fogerichtig mitten in einem Stämmchen, bevor ich das Viech endlich mit dem dritten Schuß erlegen konnte. Beim Pfeileziehen bot sich mir dann plötzlich folgendes Bild:

Instantkill a la Tom of Sevenhills

Dem brüllenden Gelächter meiner Mitschützen nach zu urteilen, muss ich sehr dämlich aus der Wäsche geschaut haben. Dafür hat Tom noch was gut bei mir…..

Der Tag endete nach Siegerehrung und Glückschießen gemütlich am Feuer bei Grillfleisch und Bier. Dabei zeigten sich die herausragenden Quartiermeisterqualitäten unseres Neuzugangs, Habi. Der war meiner Gruppe während der zweiten Turnierhälfte zugelaufen. Wir haben ihn zuerst mißtrauisch beäugt, aber Stefan (Janitschar) schien ihn zu kennen und im Laufe des Turniers entpuppte er sich als fröhlicher Geselle, der mit seinem Hillstyle-Prügel gut umgehen kann.

Seine wahren Qualitäten zeigten sich allerdings erst nach dem Turnier am Lagerfeuer. Egal was gebraucht wurde, von Gaffatape über Tarp oder einen zusätzlichen Grill, bis zu Bier, Gewürzen oder einem 30ltr-Kochtopf – Habi hatte es dabei. Ich habe ja schon bei verschiedenen Leuten vermutet, daß sie ihre Zelte unterkellert haben, aber bei bei ihm WEISS ich, daß er mindest drei Tiefgeschosse unter seiner Plastikhütte haben muss.

Habi am Feuer

Wie es sich für einen waschechten “Ossi” gehört, gab es natürlich auch Bratwürste und Roschtbrätler satt und das Szegediner Gulasch war vom Feinsten, trotz aller Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Zutaten. Ganz großes Kino, Habi. Nicht nur deshalb freue ich mich auf ein Wiedersehen….

Am Sonntag leerte sich der Platz, da all die abreisen mussten, die entweder keinen Urlaub bekommen hatten oder schulpflichtige Kinder hatten. So blieb es bis Donnerstag ruhig und gemütlich; man hatte Zeit und Muße ein paar Runden auf dem Parcour zu drehen oder einfach mal in Ruhe mit den Anderen zu schwatzen. Ab Mittwoch abend wurde es dann wieder voller, als die Wochenendschützen langsam wieder eintrudelten. Es waren wieder mehr Leute auf den Parcouren unterwegs, aber es fanden auch einige hübsche Aktionen statt. Bard hielt wieder seinen Klingenschärfkurs ab, Indiaman bot einen Kurs im Köcherbau und Comix veranstaltete unter großem Hallo den Odysseusschuß durch 12 hintereinander montierte Stahlringe hindurch auf einen Luftballon. Leider habe ich davon keine Bilder, aber bei Jürgen gibt es dafür ein paar ganz tolle zu sehen. Er hat auch einen schönen Artikel über das Turnier geschrieben.

Abends gab es dann an unserem Feuer, inzwischen als “Kölner Bucht” oder “Archers Paradise” bekannt, Mucke vom Allerfeinsten. 2 großartige Gitarristen, ein Profi an der Geige und dazu zwei höchst begabte Bluesharpspieler sorgten für den richtigen Sound.

Jochen, Entman, Sundance und Indiaman heizen ein

Guter Malt und TJs schier unerschöpfliche Vorräte an verschiedensten exclusiven Rumsorten sorgten für Stimmung bis in den frühen Morgen. Auf den Punkt brachte es TJ mit dem Satz: “Ich glaub ich heirate euch alle.”

Stimmung unter'm Tarp

So verging die Zeit trotz Regen und daraus resultierendem Schlamm recht schnell und auch wenn Einiges für immer unerklärbar bleiben wird, kam der Aufbruch viel zu früh.

Diese Konstruktion muss eine ganze Nacht gehalten haben. Erbauer unbekannt...

Für mich war das das schönste Neubrunn. Die Trennung von Turnier und Treffen hat sich in meinen Augen bewährt. Es blieb viel Zeit für das, was mir immer am Wichtigsten war – schwatzen und Kontakt halten mit Freunden und guten Bekannten, die ich nur dort sehe, weil sie einfach zu weit weg leben, bspw. auf den Phillipinen oder im äußersten Süden der Republik.

Wann war der Termin für 2011?

Tom mit unwiederruflich letzten Kaffee in Neubrunn

Achja, mehr Bilder gibt es in der Galerie

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