Für alle Fälle Kincaid (Shadowrun)

Shadowrun

Sam Spade in der dystopischen Welt von Shadowrun – das ist der Eindruck, den Russell Zimmermans Roman bei mir sofort erzeugt hat.

In Seattles miesestem Viertel, Puyallup, arbeitet der Privatermittler Jimmy Kincaid für (beinahe) Jeden, der in bezahlt.
Er wurde in diesem Stadtteil geboren und kehrte hierhin zurück, nachdem er bei einem Einsatz als Kampfmagier für Knight Errant beinahe völlig ausbrannte und seine Magie fast komplett verlor.
Jetzt lebt und arbeitet er als Privatdetektiv in einem komplizierten und fragilen Geflecht aus Beziehungen und Gefälligkeiten und benutzt die Reste seiner Magie und die Headware, die ihm sein ehemaliger Auftraggeber spendiert hat, um sich einen kleinen Vorteil auf den Straßen von Seattle zu verschaffen.
Sein Leben gerät richtig aus den Fugen, als er beauftragt wird, den Tod seines alten Mentors zu untersuchen. 
Er muss sich dem alten Schrecken stellen, der ihn damals seiner Magie beraubte und ihn in dieses Leben zwang. Jetzt braucht er jeden Freund und jeden letzten Rest Magie, der ihm noch geblieben ist…

Der Eindruck, sich in einer „Hardboiled Novel“ zu befinden, bleibt durch den ganzen Roman hindurch bestehen. 
Er entsteht durch die lakonische Sprache des „Helden“ und durch seine höchst pragmatische Sicht auf sein Leben. 
Er macht Deals und Kompromisse, wo immer es zielführend erscheint und erkennt dabei nur seinen eigenen Ehrenkodex an.
Mir hat die Geschichte bis zum Ende viel Spaß gemacht, obwohl mir in der Schlussszene ein wenig zuviel „Deus ex Machina“ bemüht wurde.

Ich gebe dem Roman 3 von 5 Sterne

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Methodisch korrektes Biertrinken: … und weitere Erkenntnisse aus einer Nacht mit Physik

Für den „Asi mit Niwoh“

Reinhard Remfort, die eine Hälte des Wissenschaftspodcasts „Methodisch Inkorrekt“, erklärt in seinem Buch auf verständliche Art und Weise physikalische Alltagsphänomene, die uns Allen oder zumindest den Partygängern und (Ex)WG-Bewohnern unter uns schon einmal begegnet sind.
Die (beinahe) wahre Geschichte einer Silvesterparty in seiner ehemaligen WG liefert die unterhaltsame Rahmenhandlung zu den Erklärungen und zeigt die Nützlichkeit physikalischen Grundwissens im Alltag. 
Behandelt werden so wichtige Fragen wie:
–  Warum verbrennt sich eigentlich nur an den Tomaten auf der Pizza den Mund?
– Wie erkennt man, welche Getränkedose von einem hinterhältigen Partygast geschüttelt wurde?
– Wie kriegen wir das Bier am Schnellsten kalt? (Ohne die Bude mit einem Feuerlöscher einzusauen)
– Was haben romanische und gotische Bögen mit der Qualität des Weins zu tun?
– Was ist beim Beschuss der feindlichen WG gegenüber mit modifizierten Silvesterraketen zu beachten?
Diese wichtigen Fragen und noch einige andere werden physikalisch korrekt und trotzdem leicht verständlich geklärt.

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Nothing changes

Meien alte Werkstatt

Holzmarkt 1

Auch 4 Jahre nach meinem Auszug steht meine alte Werkstadt mitten in der Monschauer Altstadt immer noch leer.

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REITEN WIR! – Phantastikautoren für Karl May

Karl May ist seit ungefähr 30-35 Jahren nicht mehr Thema in meinem Leben gewesen. So war ich ziemlich neugierig, was Alex Jahnke da für eine Sammlung an Geschichten zusammengetragen haben würde.
Zumal die Hauptpersonen der verschiedenen Kurzgeschichten dieser Anthologie die Nebenfiguren aus den bekannten Westernromanen des Fabulierers Karl May sein sollten.
Figuren, wie die Tante Droll, der Hobble-Frank oder Ellen, die Tochter Old Firehands; Figuren, zu denen mir nach den all den Jahren der May-Abstinenz so gar nichts einfallen wollte. 
Als das Buch dann ankam, zeigte sich wieder einmal, was mit etwas Liebe zum Produkt und Einsatz von allen Beteiligten möglich ist. Auch ohne Mondpreise zu verlangen….

Das Buch ist gestaltet, wie ein Reisenotizbuch, mit festem Kartoneinband und einem stabilen Gummiband, das die Lektüre auch auf dem wildesten Ritt sicher geschlossen hält. Die Ecken der Seiten und des Einbandes sind abgerundet. Das macht sie stabiler und verhindert, daß sich allzu schnell häßliche Eselsohren bilden. Der Einband ist aufwändig und hübsch bemalt und selbstverständlich gibt es ordentliches Lesebändchen. 
Kurz gesagt, ein wertig gemachtes Buch, das ich alleine deshalb schon gerne in die Hand nehme.

Die 24 Kurzgeschichten decken das ganze Spektrum dessen ab, was für mich Abenteuergeschichten ausmacht; von romantisch über lustig bis zur wilden Action. 
Und irgendwann, beim Lesen der Geschichten, war er dann da, dieser Moment des Wiedererkennens. 
Die Erinnerungen an die Abende der Kindheit, mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, weil man ja eigentlich schon längst schlafen sollte wegen „Morgen ist Schule“ und so ’nem Quatsch.
Da stört dann auch das Wissen nicht, daß Karl May erst lange dem Erscheinen von Winnetou tatsächlich in die USA gereist ist und all die tollen Geschichten eben „nur“ genau das sind – Geschichten.

Das Buch ist eine liebevoll gemachte Reminiszenz an Karl May und eine echte Leseempfehlung. 
Für mich war es ein wunderbarer Trip down Memory Lane.
Wenn ihr auch wieder in die Abenteuerwelten der Kindheit eintauchen wollt, geht es hier lang.

 

 

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„Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann

Ich wurde auf dieses Buch vor einiger Zeit aufmerksam, als es häufig in verschiedenen Podcasts erwähnt wurde.
Dabei war es zuerst weniger das eigentliche Thema des Buches, auf das ich angesprungen bin, als vielmehr die „Hexenjagd“, die anscheinend von diversen Gruppen veranstaltet wurde. 
Der Autorin wurde vorgeworfen, daß sie dicke Menschen verunglimpfe, weil sie ein Buch „über das Abnehmen“ geschrieben habe oder daß ihre Story sowieso von vorne bis hinten erstunken und erlogen sei.
Ich bin fett und zwar richtig. Ich habe mindestens 80kg zuviel auf den Rippen und schon die eine oder andere Diät durchgehalten und damit auch abgenommen. Mir ist auch klar, daß sich der ganze Diäthumbug auf eine einfache Tatsache runterbrechen läßt: „Nimm weniger Kalorien zu dir als du verbrauchst und du nimmst ab!“ So einfach ist das. 
Dafür brauche ich wirklich nicht noch ein Buch, das ich zu den anderen 150 Kochbüchern und Ernährungsratgebern ins Regal stellen kann. 
Also hab ich mir die Kindle-Ausgabe besorgt und zwar weil mich interessierte, was so viele Menschen so an dem Buch stört, daß sie die Autorin so anfeinden und persönlich bedrohen.

Zu allererst ist das Buch kein Diätratgeber, in dem irgendeine neue Wundermethode zur anstrengungsfreien Gewichtsreduktion im Schlaf propagiert wird.
Die Autorin erzählt vielmehr ihre eigene Geschichte. 
Nadja Hermann ist Verhaltenstherapeutin mit ernährungswissenschaftlichem Schwerpunkt und hat sich seit ihrem Abitur mit dem Thema wissenschaftlich befasst.
Wie konnte es also sein, daß ausgerechnet sie mit knapp 30 Jahren 150kg wiegt und das „normal“ findet?
Wie hat sie es geschafft, von diesem beinahe tödlichen Übergewicht weg zu kommen?
Wie lebt sie jetzt? 

Die Autorin widmet dabei jedem „Muss man wissen“ ein eigenes Kapitel und stellt der geglaubten Wahrheit die wissenschaftlichen Tatsachen aktueller Studien gegenüber.
So zeigt sie auf, was dran ist an „schweren Knochen“, „genetischer Vorherbestimmung“ und „Jojo-Effekt“.

Immer dann, wenn es um konkrete Maßnahmen geht, die sie getroffen hat, um abzunehmen, betont Nadja Hermann, daß die nicht unbedingt übertragbar sein müssen. Es ist ihr wichtig, heraus zu streichen, daß jeder Mensch anders ist, anders tickt. 
Der Eine braucht den schnellen Erfolg, um dabei zu bleiben. Der Andere kann mit drastischen Veränderungen nicht so gut umgehen und geht es deshalb lieber langsamer an. 
Außerdem legt sie viel Wert auf die Feststellung, daß große Gewichtsveränderungen immer, egal wie sie erreicht werden sollen, unter ärztlicher Kontrolle stattfinden müssen.

Ich empfehle dieses Buch Leuten, die einmal auf verständliche Weise über die Wissenschaft hinter den ganzen Diät-Schlagworten informiert werden wollen. Es ist auch ein guter Einstieg, wenn man wirklich tief eindringen möchte, da es jede Menge Studien und weiterführende Literatur aufführt.
Außerdem kann die persönliche Erfahrung der Autorin dazu beitragen, die Angst vor dem Danach zu verlieren. Ihr Beispiel zeigt, daß man nicht ständig sich kasteien und für den Rest seines Lebens in genussfeindlicher Askese leben muss, damit eine Diät dauerhaft Erfolg zeitigt. 

Um auch noch die Frage zu beantworten, oder es zumindest zu versuchen, was die Hexenjäger so stören könnte an dem Buch: Es räumt mit einigen sehr bequemen „Wahrheiten“ gründlich auf und zeigt genau, wo die Denkfehler liegen, wo bewusste Fehlinformation erfolgt und wo schlicht und ergreifend geschwurbelt wird und „Fakten“ erfunden werden. Die allermeisten Menschen können abnehmen, wenn sie denn wirklich wollen. Bei den wenigen, die das nicht können, ist das Übergewicht „nur“ ein Symptom für eine Erkrankung. 
Stark verkürzt und brutal überspitzt gesagt ist Adipositas kein Schicksal, sondern eigenes Verschulden. 
„Selber schuld!“ hören wir aber nicht so gerne und sind schnell bereit auf den Überbringer dieser Nachricht ein zu prügeln. Das ist so viel einfacher, als das eigene Leben zu ändern. 

„Fettlogik überwinden“

Blog zum Buch 

 

 

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Sabine ist tot

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text schreibe und ich tue es jetzt aus rein egoistischen Gründen.
Ich hoffe einfach, daß das Schreiben mir hilft mit der Trauer und dem Gefühl des Verlustes fertig zu werden, das Sabines plötzlicher Tod in mir ausgelöst hat.

Als am Dienstagabend die Nachricht von Sabines plötzlichem Tod in meinem Twitterstream auftauchte, hielt ich sie erst mal für den geschmacklosen Scherz irgendeines Arschlochs, daß den Twitteraccount ihres Freundes gekapert hat.
Leider wurde bald klar, das es wahr war.
Sabine, @missmarple76, war am Abend in den Armen ihres Freundes kollabiert und verstorben.

Schlagartig setzten Schuldgefühle ein.
„Hättest du doch ihre Beschwerde über Schwindel und Übelkeit ernster genommen. Hättest du ihr zugeredet, zum Arzt zu gehen, statt eine flappsige Bemerkung zu machen.“
Natürlich ist das Alles Quatsch.
Kaum jemand denkt bei Schwindel und Übelkeit an den Tod.
Ein Freund von mir und dessen ganze Familie haben am selben Wochenende die gleichen Symptome gehabt und es geht Allen wieder gut.
Mir ist es auch schon so gegangen, das es mich mal für zwei Tage aus den Schuhen gehauen hat und dann war es wieder gut.
Nur bei Sabine nicht…..

Sie war ein blitzgescheiter, kommunikativer Mensch und wahrscheinlich der beste Repräsentant in den sozialen Netzwerken, den sich ein Kaff wie Aachen wünschen kann.
Unbegreiflicherweise liebte sie diese Stadt.

Aber das ist mir Alles scheißegal.
Sie war vor allem ein Mensch, mit dem ich mich, nachdem wir uns länger als ein Jahr nicht gesehen hatten, einfach an einen Tisch setzen und reden konnte; ohne Maske, ohne eine Rolle zu spielen, ohne darüber nachzudenken, ob ich etwas erzählen sollte oder lieber nicht.
Von solchen Leuten hat ein alter Egoist wie ich nicht allzu viele und jetzt ist es noch einer weniger.
Das tut weh. Das kotzt mich an. Das treibt mich in sinnloser Wut die Wände hoch.

Ruhe in Frieden!

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Die Flüsse von London

Peter Grant, die Hauptperson – Obwohl man darüber streiten kann – in der Fantasyreihe „Die Flüsse von London“, ist ein frisch gebackener Constable der Londoner Polizei.
Er begegnet bei einem Einsatz in der City einem Gespenst.
So beginnt ungefähr die Geschichte, die ein Bekannter mal mit den Worten „Was wäre, wenn Harry Potter Polizist geworden wäre?“ beschrieben hat. *Hattip an Volker*

Von diesem denkwürdigen Abend an ist für Peter nichts mehr so, wie es mal war.
Nicht nur muss er sich an die reale Existenz von Magie und magischen Geschöpfen in seiner naturwissenschaftlich geordneten Welt gewöhnen, viel schlimmer ist, daß deren Existenz seinen höchsten Vorgesetzten immer schon bekannt war und man sogar „diplomatische“ Beziehungen zu einander unterhält.
Er erfährt, daß es eine eigene Abteilung für Magie bei der Polizei gibt. Diese bestand zuletzt nur aus einem Beamten, da man glaubte, es gäbe kaum noch Magie in der Welt und Zauberei würde in der Polizeiarbeit nicht mehr benötigt.
Das stellt sich als Trugschluß heraus und so gibt es bald einen zweiten Beamten in dieser Abteilung.
Genau……

Peter muss nun lernen, sich in einer Welt zurecht zu finden, die wesentlich weniger fest gefügt erscheint, als die, die er bisher kannte. Nicht nur definiert die Magie die Grenzen des Möglichen neu, es kommt ein ganzes Geflecht von Verpflichtungen und Beziehungen dazu.
Hier gibt es weniger Gesetze als viel mehr ein schlüpfriges Wirrwarr alter Absprachen, familiärer Verbindungen und Jahrhunderte alter Gebräuche und viele der mächtigen magischen Wesen haben in der realen Welt der Gesetze und Geschäfte genauso viel Macht wie in der Welt der Magie.

Bisher sind 6 Bände in dieser Reihe erschienen und ich habe jeden davon mit großem Vergnügen gelesen.
Es macht großen Spaß zu lesen, wie Peter immer wieder hartnäckig versucht Magie und wissenschaftliches Denken sowie seine Jugend als Kind der 80er in Einklang zu bringen, dabei nicht zu sterben und auch noch eine Beziehung zu führen.

Jeder Band ist irgendwie anders als der Vorgänger, behandelt andere Aspekte der magischen Welt und doch bilden sie alle eine zusammenhängende Geschichte.
Diese Geschichte habe ich, bei aller vorhandenen Brutalität und Grausamkeit, nie als vordergründig reißerisch empfunden.
Die schrecklichen Dinge, die einigen Leuten zustoßen, ergeben im Rahmen der Erzählung Sinn. Sie sind kein Selbstzweck.

Wer einmal spannende Urban Fantasy ohne Dämonen, Werwölfe und Weltuntergangsflüche lesen will wird hier erstklassig bedient.
Von mir gibt es diesmal die volle Punktzahl – 5 von 5 Sterne

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